Babyblues, Wochenbettdepression oder postpartale Angst - Unterschiede erkennen und Hilfe finden

Müde junge Mutter hält schlafendes Baby im Arm

Du hast gerade ein Baby bekommen, dein Alltag steht Kopf, und alle erzählen dir, das müsste jetzt die glücklichste Zeit deines Lebens sein.

Aber vielleicht weinst du heimlich unter der Dusche, fährst deinen Partner an oder starrst nachts um 3 Uhr an die Decke, obwohl das Baby endlich schläft, und fragst dich: „Was stimmt nicht mit mir?“

Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht kaputt, du bist keine schlechte Mutter, und du bist ganz sicher nicht allein.

In diesem Artikel geht es um den Unterschied zwischen Babyblues vs. Wochenbettdepression (postpartale / postnatale Depression), wie sich postpartale Angststörungen äußern und woran du erkennst, ob es „nur“ ein normaler Hormonabfall ist oder ob du mehr Unterstützung brauchst. Wenn auch nur ein Satz nach dir klingt, lies bitte weiter. Für manche Frauen sind genau diese Informationen lebensrettend.


Babyblues: Was ist „normales“ Gefühlschaos nach der Geburt?

Fast jede Hebamme in Deutschland, Österreich oder der Schweiz spricht irgendwann vom Babyblues. Dann kommt das Kind, du bist zu Hause – und plötzlich weißt du genau, was gemeint war.

Wie häufig ist der Babyblues?

Der Babyblues betrifft bis zu 70–80 % aller frischgebackenen Mütter. Also etwa 7 bis 8 von 10 Frauen erleben ihn zumindest phasenweise.

Er hängt vor allem zusammen mit:

  • einem massiven Abfall der Schwangerschaftshormone (Östrogen und Progesteron)
  • Schlafmangel
  • der körperlichen Erholung nach Geburt oder Kaiserschnitt
  • dem Schock, plötzlich 24/7 für ein kleines Wesen verantwortlich zu sein

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Dein Körper und dein Gehirn reagieren auf enorme Veränderungen in kürzester Zeit.

Wann beginnt der Babyblues und wie lange dauert er?

Viele Mütter merken die Stimmungsschwankungen im Wochenbett sehr früh.

  • Wann beginnt der Babyblues?
    Typischerweise an Tag 2 oder 3 nach der Geburt
    (oft kurz nachdem du aus dem Krankenhaus entlassen wirst oder wenn das Adrenalin nachlässt).

  • Wann ist der Höhepunkt?
    Häufig um Tag 5 herum. Viele Frauen beschreiben diesen Tag als richtigen „Heultag“ oder „Zusammenbruchtag“.

  • Wie lange dauert Babyblues?
    In der Regel klingt er innerhalb von 2 Wochen nach der Geburt deutlich ab.
    Du kannst dich immer noch müde und dünnhäutig fühlen, aber die krassen und unberechenbaren Gefühlswechsel lassen nach.

Wenn deine Beschwerden länger als 2 Wochen deutlich anhalten, ist das ein wichtiges Signal, mit deiner Gynäkologin, deinem Gynäkologen, deiner Hebamme oder Hausärztin / deinem Hausarzt über eine Wochenbettdepression (postpartale Depression) zu sprechen.

Typische Babyblues Symptome

Die Babyblues Symptome können sich sehr chaotisch anfühlen. Eben lachst du noch über das Gesicht deines Babys, im nächsten Moment weinst du, weil der Kaffee kalt geworden ist.

Häufige Babyblues Symptome sind:

  • Plötzliche Stimmungsschwankungen
    Eben noch okay, im nächsten Moment in Tränen oder gereizt.

  • Weinerlichkeit
    Du musst scheinbar „grundlos“ weinen, oft abends oder wenn Besuch wieder geht.

  • Reizbarkeit
    Du fährst deinen Partner oder deine Familie an, bist schnell genervt.

  • Innere Unruhe und Sorge
    Du machst dir überdurchschnittlich viele Gedanken, z. B. übers Stillen, Schlafen oder ob du „alles richtig machst“.

  • Schlafprobleme, obwohl das Baby schläft
    Du bist todmüde, aber der Kopf fährt Karussell.

  • Gefühl der Überforderung
    Die einfachsten Dinge des Tages (stillen, wickeln, duschen) fühlen sich an wie ein Marathon.

Beim Babyblues gilt trotz allem meistens:

  • Es gibt noch Momente von Freude oder Nähe zu deinem Baby.
  • Du kannst im Alltag grundsätzlich funktionieren, auch wenn es anstrengend ist.
  • Die Gefühle werden nach und nach schwächer und sind nach etwa 2 Wochen deutlich besser.

Wenn das ungefähr zu deiner Situation passt, befindest du dich sehr wahrscheinlich im Bereich Babyblues, nicht Depression. Hier helfen vor allem Unterstützung, Schlaf und viel Zuspruch.


Was ist eine Wochenbettdepression (postpartale / postnatale Depression)?

Eine Wochenbettdepression, auch postpartale oder postnatale Depression genannt, ist nicht einfach ein Babyblues, der „etwas länger“ anhält. Es handelt sich um eine ernstzunehmende Erkrankung, die genauso behandelt werden sollte wie eine körperliche Krankheit.

Studien aus Deutschland und Europa gehen davon aus, dass etwa 10–15 % der Mütter im ersten Jahr nach der Geburt eine postpartale Depression entwickeln. Also mindestens jede zehnte Frau – vermutlich mehr, weil viele nie offen sagen, wie schlecht es ihnen geht.

Wann kann eine postpartale Depression beginnen?

Genau hier gibt es oft Missverständnisse.

Eine Wochenbettdepression:

  • kann in den ersten Wochen nach der Geburt beginnen, anfangs wie ein Babyblues aussehen, aber dann nicht besser werden,
  • kann jederzeit im ersten Jahr nach der Geburt einsetzen, auch Monate später, zum Beispiel in Phasen mit zusätzlichem Stress oder wenn sich das Stillen ändert oder endet.

Wenn dein Baby also 4 Monate oder 9 Monate alt ist und du denkst: „Jetzt kann das doch keine Depression nach der Geburt mehr sein, oder?“
Doch, kann es. Der Zeitraum gilt immer noch als postpartal.

Typische postpartale Depression Symptome

Jede Frau erlebt eine Wochenbettdepression etwas anders, trotzdem gibt es typische Anzeichen einer postpartalen Depression.

Wenn du mehrere der folgenden Symptome Wochenbettdepression an den meisten Tagen über mehr als 2 Wochen bemerkst, ist es Zeit, dir Hilfe zu suchen:

  • Anhaltende Niedergeschlagenheit oder Leere
    Du fühlst dich den Großteil des Tages traurig, innerlich leer oder hoffnungslos.

  • Verlust von Interesse oder Freude
    Dinge, die früher Spaß gemacht haben (Serien, Bücher, Hobbys, aber auch Kuscheln mit dem Baby), fühlen sich leer, sinnlos oder anstrengend an.

  • Geringes Interesse am Baby
    Du versorgst dein Kind zwar, aber fühlst dich innerlich distanziert, gereizt oder gleichgültig.

  • Starke Ängste oder Panikattacken
    Plötzliche Angstwellen, Herzrasen, Zittern, das Gefühl, gleich umzufallen oder die Kontrolle zu verlieren.

  • Schwierigkeiten, eine Bindung aufzubauen
    Du spürst diesen „berühmten Liebesrausch“ nicht. Vielleicht fühlst du nichts, vielleicht sogar Ärger.

  • Eingeschränkte Alltagsfähigkeit
    Selbst Kleinigkeiten wie Duschen, Anziehen oder eine Nachricht beantworten wirken unüberwindbar.

  • Rückzug von Familie und Freunden
    Du gehst nicht ans Telefon, sagst Verabredungen ab, möchtest allein sein oder hast das Gefühl, niemand versteht dich.

  • Veränderter Schlaf
    Entweder Schlaflosigkeit (Grübelzwang, kein Schlaf, obwohl das Baby schläft) oder deutlich mehr Schlaf als üblich.

  • Veränderter Appetit
    Du isst kaum noch oder viel zu viel, um dich zu trösten.

  • Starke Schuldgefühle, Minderwertigkeit, Gefühl eine „schlechte Mutter“ zu sein
    Sehr harte Selbstkritik, die oft in keinem Verhältnis zur Realität steht.

  • Gedanken daran, dir oder deinem Baby etwas anzutun
    Das kann von aufdringlichen, unerwünschten Bildern bis hin zu konkreten Plänen reichen.

Zu den letzten beiden Punkten braucht es eine klare Botschaft:

Solche Gedanken machen dich nicht zu einem Monster. Sie zeigen, wie schlecht es dir gerade geht. Du brauchst schnelle, liebevolle Hilfe – keine Scham.


Und was ist mit postpartaler Angststörung?

Nicht jede Frau fühlt sich hauptsächlich traurig. Manche sind vor allem ständig in Alarmbereitschaft.

Vielleicht bist du dauernd angespannt, dein Herz rast, du kontrollierst alle paar Minuten die Atmung deines Babys, googelst nachts jeden kleinen Fleck auf der Haut.

Dann kann es sich um eine postpartale Angststörung handeln, die alleine auftreten oder Teil einer Wochenbettdepression sein kann.

Anzeichen für postpartale Angst

Ein gewisses Maß an Sorge ist völlig normal. Postpartale Angst sieht aber eher so aus:

  • Übermäßige, nicht abstellbare Sorgen
    Deine Gedanken drehen sich im Kreis, du kannst dich selbst nicht beruhigen.

  • Rasende Gedanken
    Dein Kopf springt von einem beängstigenden „Was wäre, wenn …?“ zum nächsten, bis du völlig erschöpft bist.

  • Ständiges Kontrollieren oder Nachfragen
    Du überprüfst immer wieder die Atmung des Babys, brauchst ständig Bestätigung von anderen, dass alles in Ordnung ist.

  • Körperliche Symptome
    Engegefühl in der Brust, Herzklopfen, Schwindel, Schwitzen, das dumpfe Gefühl, dass gleich etwas Schlimmes passiert.

  • Unfähigkeit, zur Ruhe zu kommen
    Selbst wenn das Baby sicher und satt im Bett liegt, bleibt dein Körper im Alarmmodus.

  • Vermeidung
    Du vermeidest Schlaf, den Weg nach draußen oder lässt niemand anderen dein Baby halten, aus Angst vor möglichen Gefahren.

Manche Frauen mit postpartaler Angst fühlen sich gar nicht besonders „depressiv“, also glauben sie, es könne keine postnatale Depression sein. Tatsächlich tritt die Depression nach der Geburt sehr häufig in Mischformen auf: mit depressiven und ängstlichen Anteilen gleichzeitig.


Babyblues vs. Wochenbettdepression: die wichtigsten Unterschiede

Ein direkter Vergleich kann helfen. Lies die folgenden Punkte und schau ganz ehrlich, was eher zu dir passt.

1. Zeitpunkt

  • Babyblues

    • Beginn: meist an Tag 2 oder 3 nach der Geburt
    • Höhepunkt: oft um Tag 5
    • Besserung: deutlich innerhalb der ersten 2 Wochen
  • Wochenbettdepression / postpartale Depression

    • Beginn: irgendwann im ersten Jahr nach der Geburt möglich
    • Häufig: Babyblues wird nicht besser, sondern bleibt oder verstärkt sich
    • Kann auch später auftreten, wenn du dachtest, du hättest alles gut überstanden

Wenn starke Beschwerden nach zwei Wochen immer noch da sind oder erst danach richtig beginnen, denke eher an Babyblues oder Depression? – also an eine postnatale Depression.

2. Schweregrad

  • Babyblues

    • Du weinst vielleicht viel und fühlst dich sehr empfindlich und überfordert.
    • Es gibt aber trotzdem kurze Momente von Freude, Ruhe oder Zuversicht.
    • Mit Unterstützung kannst du den Alltag grundsätzlich bewältigen.
  • Postpartale Depression

    • Die Gefühle sind schwerer, gleichförmiger, manche beschreiben es als „dunkle Wolke“ oder „wie unter Wasser“.
    • Freude ist selten oder kaum noch spürbar.
    • Durch den Tag zu kommen kann sich fast unmöglich anfühlen.
    • Gedanken können sehr dunkel werden, etwa nicht mehr leben zu wollen oder die Entscheidung für ein Kind zu bereuen.

3. Dauer

  • Babyblues

    • Kurzfristig, in der Regel unter 2 Wochen.
    • Die Symptome lassen nach und werden nicht immer schlimmer.
  • Wochenbettdepression

    • Länger als 2 Wochen anhaltend, oft über Monate, wenn sie unbehandelt bleibt.
    • Sie kann sich mit der Zeit verstärken statt abzumildern.

Wenn du dich fragst: „Wie lange dauert Babyblues? Ich bin schon in Woche 4 und mir geht es immer noch richtig schlecht“,
ist das ein deutlicher Hinweis, mit einer Fachperson über postpartale Depression Symptome zu sprechen.


„Bin ich nur müde oder ist es mehr?“

Schlafmangel verstärkt alles. Ein paar Fragen können dir helfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, was gerade los ist:

  • Wenn du eine Woche lang richtig gut schlafen würdest: Glaubst du, du wärst dann im Großen und Ganzen wieder „du selbst“?
    Oder bist du so niedergeschlagen oder ängstlich, dass nicht einmal die Vorstellung von Schlaf etwas daran ändert?

  • Gibt es in deinem Tag noch Momente, in denen du dich zumindest kurz okay fühlst?
    Oder liegt von morgens bis abends ein schwerer, grauer Schleier über allem?

  • Sagen Freundinnen, dein Partner oder Familie zu dir, du „seist gar nicht du selbst“ oder wirkst „ungewöhnlich niedergeschlagen“?

Dein eigenes Bauchgefühl zählt. Wenn tief in dir eine leise Stimme sagt: „Ich glaube, ich brauche Hilfe“, dann nimm sie ernst. Diese Stimme ist klug.


Wann du dir Hilfe holen solltest: Das ist keine Schwäche

Viele Mütter warten mit der Hilfe bei Wochenbettdepression, weil sie sich schämen. Oder sie denken: „Andere haben es viel schwerer, ich darf mich nicht so anstellen.“

Du musst nicht bis zum absoluten Tiefpunkt warten, um Unterstützung zu verdienen.

Du solltest mit jemandem sprechen, wenn:

  • deine gedrückte Stimmung oder Angst länger als 2 Wochen nach der Geburt anhält,
  • du nicht schlafen kannst, obwohl das Baby schläft, weil deine Gedanken nicht aufhören,
  • du dich von deinem Baby innerlich entfernt fühlst oder fast nichts für es empfindest,
  • dir der normale Alltag extrem schwerfällt,
  • du Menschen meidest oder anderen etwas vorspielst, wie es dir geht,
  • du beängstigende Gedanken hast, über die du dich kaum zu sprechen traust.

Du brauchst dringend Hilfe, wenn:

  • du Gedanken hast, dir selbst etwas anzutun oder nicht mehr leben zu wollen,
  • du Gedanken hast, deinem Baby etwas anzutun, besonders wenn du Angst hast, dass du handeln könntest,
  • du das Gefühl hast, den Bezug zur Realität zu verlieren, Dinge zu hören oder zu sehen, die andere nicht wahrnehmen, oder extrem unruhig und „außer dir“ bist.

Im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) gilt:

  • Bei akuter Gefahr für dich oder dein Kind wähle 112 oder fahre in die Notaufnahme bzw. in die nächste psychiatrische Klinik mit Notfallaufnahme.
  • In Deutschland kannst du bei seelischen Krisen auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 anrufen.
  • Zudem gibt es anonyme Telefonseelsorge, z. B. in Deutschland rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, in Österreich unter 142, in der Schweiz z. B. 143 (Die Dargebotene Hand).

Hilfe anzunehmen bedeutet nicht automatisch, dass man dir das Kind wegnimmt. Fachleute wollen in erster Linie, dass du und dein Baby sicher seid und zusammenbleiben könnt. Behandlung postpartale Depression heißt, dir deine Kraft zurückzugeben, nicht dich zu bestrafen.


Mit wem du sprechen kannst und was du sagen kannst

Du musst nicht perfekt vorbereitet in eine Praxis laufen und alles lückenlos erklären. Der wichtigste Schritt ist, das Thema überhaupt anzusprechen.

Vertraue dich zuerst einer nahestehenden Person an

Falls möglich, erzähle einer Person, der du vertraust:

  • deinem Partner oder deiner Partnerin
  • einer engen Freundin
  • deiner Mutter, Schwester oder einer anderen Bezugsperson

Du könntest zum Beispiel sagen:

  • „Ich komme viel schlechter klar, als ich gedacht habe.“
  • „Ich fühle mich die meiste Zeit niedergeschlagen und ängstlich, nicht nur müde.“
  • „Manche Gedanken machen mir selbst Angst.“

Manchmal hilft es, einen Artikel wie diesen auszudrucken oder im Handy zu speichern und gemeinsam anzuschauen.

Sprich mit einer medizinischen Fachperson

Im deutschsprachigen Raum kannst du dich an folgende Personen wenden:

  • deine Frauenärztin / deinen Frauenarzt
  • deine Hebamme
  • deine Hausärztin / deinen Hausarzt
  • deine Kinderärztin / deinen Kinderarzt (als erste Anlaufstelle, sie können dich weiterverweisen)
  • eine Psychotherapeutin / einen Psychotherapeuten
  • eine Ambulanz für Peripartale / Perinatale Psychiatrie, falls vorhanden

Du könntest zum Beispiel sagen:

„Seit der Geburt geht es mir psychisch sehr schlecht. Das dauert jetzt schon länger als zwei Wochen, und ich habe Sorge, dass es eine postnatale / postpartale Depression sein könnte.“

Nenne ruhig konkrete Anzeichen postpartale Depression oder postpartale Angst, die du bei dir bemerkst: fehlende Bindung zum Baby, Panikattacken, Hoffnungslosigkeit, aufdringliche Gedanken.

Du hast das Recht, ernst genommen zu werden. Falls du dich abgewimmelt fühlst, darfst du nachdrücklich um Hilfe bitten oder dir eine andere ärztliche oder psychotherapeutische Anlaufstelle suchen.


Wie Fachleute eine Wochenbettdepression einschätzen: die Edinburgh-Skala

Viele Ärztinnen, Ärzte und Hebammen nutzen einen kurzen Fragebogen: die Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS), auf Deutsch häufig Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala genannt.

Sie besteht aus 10 Fragen dazu, wie es dir in den letzten 7 Tagen ging, zum Beispiel:

  • Wie oft du dich traurig oder ängstlich fühlst
  • Ob du noch lachen kannst oder dich auf etwas freust
  • Wie gut du schläfst
  • Ob du Gedanken hattest, dir selbst etwas anzutun

Du beantwortest die Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wie „Ja, die meiste Zeit“ oder „Nein, überhaupt nicht“.
Aus deinen Antworten ergibt sich ein Punktwert, der einen Hinweis darauf gibt, ob eine Wochenbettdepression vorliegen könnte oder ob du mehr Unterstützung brauchst.

Die EPDS ersetzt keine ausführliche Diagnose, sie ist aber ein hilfreiches Screeninginstrument, das den weiteren Weg mitbestimmt.

Wenn du unsicher bist, kannst du die Edinburgh-Skala auch selbst online suchen, ausfüllen, ausdrucken oder auf dem Handy speichern und zum Termin mitnehmen. Das kann das Gespräch erleichtern.


Behandlung: Du darfst dich wieder gut fühlen

Postpartale Depression und postpartale Angststörungen sind behandelbar. Viele Frauen erholen sich vollständig, wenn sie passende Hilfe bekommen. Du musst nicht ein ganzes Jahr „durchhalten“ und dich quälen.

1. Psychotherapeutische Unterstützung

Häufig eingesetzte Verfahren sind zum Beispiel:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
    Sie hilft dabei, belastende Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und Schritt für Schritt durch hilfreichere zu ersetzen.

  • Gesprächstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
    In einem sicheren Rahmen kannst du über die Geburt, Veränderungen deiner Identität, Beziehungsprobleme, frühere Erfahrungen und aktuelle Gefühle sprechen.

In Deutschland kannst du über die Kassenärztliche Vereinigung bzw. die Psychotherapeutensuche deiner Krankenkasse oder Online-Verzeichnisse eine Vertragspsychotherapeutin / einen Vertragspsychotherapeuten finden. In Österreich und der Schweiz gibt es ähnliche Register. Deine Hausärztin oder dein Frauenarzt kann dir ebenfalls Adressen geben.

Es gibt außerdem spezialisierte perinatale Ambulanzen und Mutter-Kind-Angebote in Kliniken sowie Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für werdende und frischgebackene Eltern.

2. Medikamente

Manchmal reicht eine Psychotherapie allein nicht, besonders bei schweren Symptomen.

Dann kann deine Hausärztin, dein Hausarzt, deine Psychiaterin oder dein Psychiater Antidepressiva vorschlagen. Viele Frauen haben gerade in der Stillzeit große Bedenken. Darum sind gute Informationen wichtig.

Wesentliche Punkte:

  • Viele Antidepressiva sind in der Stillzeit relativ gut untersucht.
  • In Deutschland und anderen europäischen Ländern wird häufig z. B. Sertralin eingesetzt, das als mit dem Stillen oft gut vereinbar gilt.
  • Die Entscheidung wird immer individuell getroffen, unter Abwägung von Nutzen und möglichen Risiken für dich und dein Kind.

Auch eine nicht behandelte Wochenbettdepression birgt Risiken: für deine Gesundheit, deine Fähigkeit, dich um dein Baby zu kümmern, und eure Bindung auf lange Sicht. Dich zu behandeln, heißt auch, dein Kind zu schützen.

Setze Medikamente niemals eigenmächtig ab oder an, sondern sprich immer mit Ärztinnen oder Ärzten darüber.

3. Praktische und soziale Unterstützung

Keine Therapie und kein Medikament ersetzt Entlastung im Alltag.

Hilfreich kann alles sein, was dich konkret im Alltag stützt:

  • Praktische Hilfe zu Hause
    Jemand, der kocht, einkauft, Wäsche wäscht oder das Baby hält, während du duschst.

  • Schlaforganisation
    Dein Partner übernimmt nachts Fläschchen-Fütterungen oder am frühen Morgen, du schläfst in einem anderen Zimmer, Verwandte nehmen das Baby für einen Spaziergang mit.

  • Austausch mit anderen Eltern
    Rückbildungskurse, Stillgruppen, PEKiP, Eltern-Kind-Gruppen in Familienzentren oder online-Communities, in denen offen über mentale Gesundheit gesprochen wird.

  • Klare Grenzen setzen
    Besuche reduzieren, die dich eher stressen, „Nein“ sagen zu Kommentaren oder Menschen, die dich verunsichern, und gezielt um die Art von Hilfe bitten, die du wirklich brauchst.

Das sind keine „Luxuswünsche“, sondern ein wichtiger Teil der Behandlung postpartale Depression und auch der Vorbeugung, dass aus einem Babyblues eine ernsthafte Wochenbettdepression wird.


Du bist nicht allein und du versagst nicht

In der Öffentlichkeit sieht Mutterschaft oft aus wie: süßes Baby, friedliche Stillmomente, strahlende Mama. Was man kaum sieht: die 4-Uhr-morgens-Stunden, in denen du dich wie eine Fremde im eigenen Leben fühlst.

Wenn du aus diesem Text nur eine Sache mitnimmst, dann diese:

  • Emotional und überfordert in den ersten 2 Wochen zu sein, kann normaler Babyblues sein.
  • Dich über längere Zeit anhaltend niedergeschlagen, ängstlich oder innerlich abgekoppelt zu fühlen, ist keine Situation, die du einfach „aushalten“ musst. Es ist eine Erkrankung, und du hast Behandlung und Unterstützung verdient.

Wochenbettdepression, postpartale Depression, postnatale Depression, Babyblues, postpartale Angststörung – die Begriffe können verwirrend sein. Am wichtigsten ist, wie du dich gerade fühlst und wie du deinen Alltag bewältigen kannst.

Wenn du beim Lesen gedacht hast: „Das bin ich“, dann:

  1. Vertraue dich einer Person an, der du glaubst.
  2. Vereinbare einen Termin bei deiner Frauenärztin / deinem Frauenarzt, deiner Hausärztin / deinem Hausarzt oder sprich mit deiner Hebamme.
  3. Wenn du Gedanken hast, dir selbst oder deinem Baby etwas anzutun, rufe 112 an oder fahre sofort in die Notaufnahme.

Hilfe bei Wochenbettdepression in Anspruch zu nehmen, ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Versagen. Du leistest gerade Unfassbares: Du hast einen Menschen in dir getragen, geboren und sorgst nun Tag und Nacht für ihn. Dich um deine seelische Gesundheit zu kümmern, ist ein wichtiger Teil davon, die gute Mutter zu sein, die du längst bist.


Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und sollte nicht als Ersatz für den Rat Ihres Arztes, Kinderarztes oder eines anderen Gesundheitsdienstleisters verwendet werden. Wenn Sie Fragen oder Bedenken haben, sollten Sie einen Gesundheitsfachmann konsultieren.
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