Erste Impfungen fürs Baby: Hepatitis B, BCG und der Impfplan im ersten Jahr

Säugling beim Impfen, Arzt hält Baby am Oberarm

Die ersten Wochen mit einem Baby fühlen sich oft an wie ein Dauerlauf aus Stillen oder Fläschchen, Windeln und dem Rätselraten, was welches Weinen bedeutet. Kaum hat sich ein bisschen Routine eingestellt, taucht das Thema erste Impfungen für Babys auf – und mit ihm viele neue Fragen.

Wenn Sie sich fragen, welche Impfungen ein Neugeborenes bekommt, warum manche so früh gegeben werden und was danach normal ist, sind Sie damit nicht allein. Schauen wir uns das in Ruhe Schritt für Schritt an.

Dieser Beitrag orientiert sich am deutschsprachigen Raum (vor allem Deutschland, mit Hinweisen, die auch für Österreich und die Schweiz meist ähnlich gelten) und konzentriert sich auf Impfungen, die häufig direkt nach der Geburt oder in den ersten Lebenstagen eine Rolle spielen: die Hepatitis B Impfung (oft als Teil einer Serie) und die BCG Impfung gegen Tuberkulose, die nur ausgewählte Babys bekommen. Außerdem ordnen wir ein, wie diese Impfungen in den weiteren Impfplan fürs Baby im ersten Lebensjahr passen.


Warum Impfungen beim Neugeborenen so wichtig sind

Ihr Baby kommt nicht völlig schutzlos auf die Welt. In den letzten Wochen der Schwangerschaft werden mütterliche Antikörper über die Plazenta übertragen, Stillen füllt diesen „Vorrat“ weiter auf. Das hilft, aber dieser Schutz ist:

  • zeitlich begrenzt
  • nicht vollständig
  • von Mutter zu Mutter und von Kind zu Kind sehr unterschiedlich

Einige Infektionen sind gerade in den ersten Lebensmonaten besonders gefährlich. Das Immunsystem ist noch unreif, Babys werden sehr schnell sehr krank und können sich noch nicht „herauskämpfen“ wie ältere Kinder.

Impfungen geben dem Immunsystem so etwas wie einen Spickzettel. Statt einen gefährlichen Erreger zum ersten Mal bei einer echten Infektion zu treffen, lernt der Körper Ihres Kindes an einer harmlosen Variante oder an Bruchstücken davon, wie er reagieren muss. Trifft der echte Erreger später auf Ihr Kind, ist das Abwehrsystem vorbereitet.

Weltweit gehören Impfungen zu den wirksamsten Maßnahmen, um Babys vor schweren Erkrankungen, Folgeschäden und frühem Tod zu schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jedes Jahr Millionen Todesfälle durch Impfungen verhindert werden. Hinter diesen Zahlen stecken reale Kinder – wie Ihres.


Überblick: Impfungen direkt nach der Geburt und in den ersten Tagen

Im deutschsprachigen Raum ist die Neugeborenenimpfung etwas anders organisiert als etwa in den USA oder in vielen asiatischen Ländern. Die Impfungen im ersten Monat hängen unter anderem davon ab, ob bestimmte Risiken vorliegen und in welchem Land Sie leben.

Typischerweise kommen in den ersten Lebenswochen unter anderem in Frage:

  • Hepatitis B Impfung beim Neugeborenen

    • In Deutschland: Standardimpfung ab dem 2. Lebensmonat (als Teil einer Kombinationsimpfung)
    • Sonderfall: In einigen Kliniken wird bei hohem Risiko (z. B. Hepatitis B bei der Mutter) eine Hepatitis B Impfung innerhalb von 24 Stunden nach Geburt plus weitere Dosen empfohlen
  • BCG Impfung Neugeborenes (Tuberkulose)

    • In Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Jahren nicht mehr als Routineimpfung empfohlen
    • Kann aber bei besonderen Risikokonstellationen (z. B. bevorstehender längerer Aufenthalt in einem Hochrisikoland) diskutiert werden
    • In Ländern mit hoher TB-Belastung wird die BCG Impfung oft kurz nach der Geburt gegeben und hinterlässt die bekannte BCG Narbe beim Baby am Oberarm

Viele Eltern sind überrascht, dass Impfungen zum Teil so früh Thema sind. Es wirkt plötzlich und manchmal verunsichernd. Darum schauen wir uns beide Impfungen genauer an: Warum der Zeitpunkt wichtig ist, für wen sie relevant sind und was zu erwarten ist.


Hepatitis B Impfung: warum überhaupt so früh?

Was ist Hepatitis B?

Hepatitis B ist eine Virusinfektion der Leber. Erwachsene können einen akuten Verlauf mit Gelbsucht, Müdigkeit und Übelkeit entwickeln. Bei Babys ist vor allem die Gefahr einer chronischen Infektion das große Thema.

Wenn sich ein Baby bei oder kurz nach der Geburt infiziert, entwickeln bis zu 90 % eine dauerhafte (chronische) Hepatitis B. Diese kann die Leber über Jahre unbemerkt schädigen und das Risiko erhöhen für:

  • Leberzirrhose (Narbenbildung in der Leber)
  • Leberversagen
  • Leberkrebs im späteren Leben

Man sieht den meisten Menschen mit Hepatitis B nicht an, dass sie infiziert sind. Viele fühlen sich völlig gesund und wissen gar nichts von der Infektion.

Warum eine Impfung innerhalb von 24 Stunden nach Geburt sinnvoll sein kann

In der Fachsprache taucht oft der Begriff „vertikale Transmission“ auf. Gemeint ist damit die Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft oder vor allem unter der Geburt.

Ist die Mutter HBsAg-positiv (trägt also Hepatitis B in sich), ist das Risiko ohne Schutzmaßnahmen hoch, dass sich das Kind bei der Geburt ansteckt. Studien und Empfehlungen z. B. des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Ständigen Impfkommission (STIKO) zeigen klar, dass ohne frühzeitige Impfung ein großer Teil dieser Kinder eine chronische Hepatitis B entwickeln würde.

Deshalb ist die Hepatitis B Impfung beim Neugeborenen innerhalb von 24 Stunden in dieser Situation so wichtig:

  • Sie sollte möglichst innerhalb der ersten 12 bis 24 Stunden nach der Geburt erfolgen
  • Sie senkt das Risiko einer Infektion ganz erheblich
  • Der Schutz ist am besten, wenn die erste Dosis unmittelbar nach der Geburt gegeben wird und nicht erst Wochen später

Wenn bei Ihnen in der Schwangerschaft Hepatitis B festgestellt wurde, wird das Geburtsteam in der Regel:

  1. Ihrem Baby eine Hepatitis B Impfung nach der Geburt geben
  2. Die weiteren Impftermine (z. B. im Rahmen der 6-fach-Impfung nach STIKO-Empfehlung) organisieren
  3. In vielen Fällen zusätzlich spezifisches Immunglobulin gegen Hepatitis B (HBIG) direkt nach der Geburt verabreichen, das sofort wirksame Antikörper liefert

Auch wenn Sie selbst kein Hepatitis B haben, empfehlen viele Länder weltweit eine generelle Hepatitis B Impfung ab Geburt. In Deutschland ist Hepatitis B Teil der regulären Impfungen fürs Baby ab dem 2. Lebensmonat (6-fach-Impfung). Die sehr frühe Impfung direkt nach der Geburt bleibt in der Regel besonderen Risikosituationen vorbehalten.

Die Impfreihe: mehr als nur eine Spritze

Die Hepatitis B Impfung ist keine einmalige Angelegenheit. Für einen dauerhaften Schutz braucht es mehrere Dosen.

Typischer Ablauf in Deutschland (orientiert an STIKO-Empfehlungen):

  • Bei nachgewiesener Hepatitis-B-Infektion der Mutter:

    • Hepatitis B Neugeborenes 24 Stunden nach der Geburt
    • plus Immunglobulin, danach weitere Dosen im Rahmen des regulären Impfplans (meist als Teil der 6-fach-Impfung ab 2. Monat)
  • Bei allen anderen Kindern:

    • Kein Zwang zur Geburtsspritze, aber
    • Hepatitis B ist Bestandteil der Standardimpfungen im 2., 3. und 4. bis 5. Lebensmonat (je nach verwendetem Impfstoff im 2+1 oder 3+1 Schema)

Versäumte oder deutlich verspätete Dosen können den Schutz verzögern oder Lücken lassen, insbesondere bei Kindern mit bekanntem Risiko schon ab Geburt.

Was passiert nach der Hepatitis B Impfung?

Die meisten Babys vertragen die Hepatitis B Impfung sehr gut. Mögliche, meist harmlose und kurzzeitige Reaktionen sind:

  • Leichte Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle
  • Etwas mehr Unruhe oder Weinen als sonst am Impftag
  • Gering erhöhte Temperatur

Das sind Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet.

Wichtig: Durch den Impfstoff entsteht keine Hepatitis B Erkrankung. Der Impfstoff enthält keine vermehrungsfähigen Viren und kann die Infektion nicht auslösen.


BCG Impfung beim Neugeborenen: Schutz vor Tuberkulose

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose (TB) ist eine bakterielle Infektion, meist durch Mycobacterium tuberculosis. Für viele klingt TB nach einem Problem aus vergangener Zeit, doch weltweit ist sie noch immer verbreitet. Auch in Europa gibt es Fälle, wenn auch deutlich weniger als in Ländern mit hoher Belastung.

Oft befällt TB die Lunge und kann dort verursachen:

  • anhaltenden Husten
  • Gewichtsverlust
  • Nachtschweiß
  • starke Müdigkeit

Bei Babys und kleinen Kindern ist TB besonders gefährlich, weil sich die Erreger leichter im ganzen Körper ausbreiten können. Gefürchtete Verläufe sind etwa:

  • TB-Meningitis (Hirnhautentzündung durch TB)
  • disseminierte oder „miliare“ TB, bei der viele Organe betroffen sind

Diese schweren Formen können zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen. Deshalb zielt die BCG Impfung vor allem darauf, schwere TB-Verläufe im frühen Kindesalter zu verhindern, nicht in erster Linie die typische Lungentuberkulose bei Erwachsenen.

Wer bekommt eine BCG Impfung?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört die BCG Impfung seit vielen Jahren nicht mehr zur Standard-Impfungen Baby. Die STIKO in Deutschland empfiehlt sie aktuell nicht routinemäßig, weil:

  • die Tuberkulose-Häufigkeit hierzulande vergleichsweise niedrig ist
  • die BCG Impfung keinen vollständigen Schutz vor allen Formen der TB bietet
  • und heute andere Maßnahmen (z. B. Screening und Behandlung von Kontaktpersonen) zur TB-Kontrolle beitragen

Trotzdem spielt die BCG Impfung Neugeborenes noch eine Rolle, wenn:

  • ein längerer Aufenthalt in einem Land mit hoher TB-Rate geplant ist, insbesondere in den ersten Lebensjahren
  • enge Familienangehörige aus Regionen mit sehr hoher TB-Belastung stammen und enger Kontakt zu möglicherweise infizierten Personen absehbar ist

In vielen Ländern mit hoher TB-Rate ist die Situation anders: Dort erhalten Babys mit erhöhtem Risiko die BCG Impfung oft in den ersten Lebenstagen, meist noch in der Geburtsklinik.

Sprechen Sie Ihre Kinderärztin, Ihren Kinderarzt oder das Tropeninstitut an, wenn für Ihr Kind ein Aufenthalt in einem Hochrisikogebiet geplant ist. Dort wird individuell entschieden, ob eine BCG Impfung sinnvoll ist.

Warum die BCG Impfung früh gegeben wird

Das Risiko für schwere TB-Verläufe ist besonders in den ersten Lebensjahren, vor allem vor dem 2. Geburtstag, erhöht. Wenn ein Kind früh mit TB in Kontakt kommt, wäre ein Schutz ab Geburt ideal.

In Ländern, in denen die BCG Impfung beim Neugeborenen Routine ist, gilt:

  • Schutzaufbau beginnt, bevor das Baby großflächig mit anderen Menschen in Kontakt kommt
  • Schwere Komplikationen wie TB-Meningitis können so deutlich seltener auftreten
  • Ein einziger Impftermin direkt nach der Geburt oder in den ersten Wochen reicht meist aus

Im Unterschied zu vielen anderen Impfstoffen ist die BCG meist eine Einmalimpfung. Auffrischungen sind dann in der Regel nicht notwendig.

Die typische BCG Narbe beim Baby: was ist normal?

Sehr viele Erwachsene im deutschsprachigen Raum haben sie noch: die kleine BCG Narbe am Oberarm aus ihrer Kindheit.

Die BCG Impfung wird in die obere Hautschicht gespritzt, üblicherweise in den linken Oberarm. Die Reaktion verläuft typischerweise in mehreren Phasen:

  1. In den ersten Tagen

    • Eine kleine, rote Quaddel oder ein Knötchen an der Einstichstelle
  2. In den nächsten Wochen

    • Das Knötchen kann größer werden, manchmal mit einem kleinen Bläschen in der Mitte
    • Es sieht aus wie ein Pickel oder eine kleine Blase
  3. Nach einigen Wochen bis Monaten

    • Die Stelle kann kurzzeitig nässen oder verkrusten
    • Mit der Zeit bildet sich eine kleine, runde Narbe, häufig 2 bis 10 Millimeter groß

Das gilt in der Regel als normale Reaktion. Die BCG Narbe beim Baby ist kein Grund zur Sorge, sondern eher ein Zeichen, dass der Impfstoff gewirkt hat.

Bitte vermeiden:

  • Bläschen oder Knötchen ausdrücken oder aufkratzen
  • die Stelle dauerhaft luftdicht mit Pflastern abzudecken
  • selbstständig Cremes, Salben oder Desinfektionsmittel aufzutragen, ohne ärztlichen Rat

Wenn die Umgebung stark gerötet, sehr heiß oder schmerzhaft wird oder viel Eiter austritt, sollten Sie das beim Kinderarzt zeigen, um eine zusätzliche Infektion auszuschließen. Meist heilt die Impfstelle aber problemlos von selbst ab.


Häufige Reaktionen nach Impfungen beim Neugeborenen

Ob Impfungen direkt nach der Geburt oder die späteren Termine im Impfplan fürs Baby - die kurzfristigen Impfreaktionen ähneln sich oft.

Typische, erwartbare Reaktionen sind zum Beispiel:

  • Leicht erhöhte Temperatur (bis etwa 38 °C), vor allem in den ersten 24 Stunden
  • Rötung, Schwellung oder ein fester kleiner Knoten an der Einstichstelle
  • Mehr Weinen, Nähebedürfnis oder Unruhe
  • Kurzzeitig etwas weniger Appetit
  • Der Schlafrhythmus kann für ein bis zwei Tage durcheinander geraten

In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von 1 bis 2 Tagen wieder ab.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Sie kennen Ihr Kind am besten. Wenn Ihnen etwas „nicht geheuer“ vorkommt, ist es völlig in Ordnung, beim Kinderarzt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst nachzufragen. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, in lebensbedrohlichen Notfällen wählen Sie 112.

Als Richtlinie gilt, ärztlichen Rat einzuholen, wenn:

  • die Temperatur Ihres Babys über 38,5 °C liegt und länger als 48 Stunden anhält
  • die Einstichstelle sehr stark gerötet, deutlich geschwollen ist oder sich im Verlauf verschlimmert
  • Ihr Baby ungewöhnlich schlaff wirkt, kaum reagiert oder schwer zu wecken ist
  • Zeichen einer allergischen Reaktion auftreten, etwa:
    • Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge
    • Atemnot oder pfeifende Atmung
    • ausgedehnter Hautausschlag oder Quaddeln

Schwere allergische Reaktionen auf Impfstoffe sind extrem selten. Ärztliches Personal ist für diesen Fall geschult und ausgestattet.


Wie Sie Ihr Baby nach der Impfung beruhigen können

Niemand schaut gern dabei zu, wie das eigene Kind weint, auch nicht für ein paar Sekunden bei einer Spritze. Einige einfache Maßnahmen können die Situation für Sie und Ihr Baby deutlich entspannen.

Hilfreiche Strategien:

  • Körperkontakt Haut an Haut

    • Legen Sie Ihr Baby nach der Impfung auf Ihre nackte Brust
    • Das stabilisiert Atmung, Herzfrequenz und Temperatur
  • Stillen oder Fläschchen geben

    • Viele Babys beruhigen sich beim Trinken, egal ob Brust oder Flasche
    • Muttermilch enthält zusätzlich Stoffe, die beruhigend und leicht schmerzlindernd wirken können
  • Sanftes Wiegen oder Tragen

    • Im Arm, in der Trage oder im Tuch hin und her wiegen
    • Die vertraute Bewegung beruhigt oft sehr schnell
  • Leise sprechen oder singen

    • Ihre Stimme ist für Ihr Baby einer der stärksten Beruhigungsfaktoren überhaupt

Bei leichtem Fieber oder Unwohlsein kann der Kinderarzt Paracetamol für Säuglinge empfehlen, insbesondere in Kombination mit bestimmten späteren Impfungen (z. B. MenB). Halten Sie sich immer genau an die Dosierungsanleitung und verwenden Sie ausschließlich Präparate, die ausdrücklich für Babys zugelassen sind.


Typische Sorgen rund um Impfungen fürs Baby

„Sind das nicht viel zu viele Impfungen auf einmal?“

Diese Sorge ist sehr verbreitet. Sie klingt auf den ersten Blick logisch, passt aber nicht zu dem, was wir über das Immunsystem wissen.

Ihr Baby begegnet jeden Tag tausenden Antigenen. Antigene sind kleine Strukturen von Bakterien, Viren, Pilzen, aber auch von Nahrungsmitteln, Pollen oder Hausstaub. Ab der Geburt ist der Körper Ihres Kindes permanent von Mikroorganismen umgeben – auf der Haut, im Darm, in den Atemwegen.

Im Vergleich dazu ist die Zahl der Antigene in Impfstoffen für Babys sehr gering. Moderne Impfstoffe sind stark „abgespeckt“, das heißt, auch wenn mehr Krankheiten abgedeckt werden als früher, ist die Menge an Antigenen insgesamt sogar deutlich niedriger als vor einigen Jahrzehnten.

Das Immunsystem eines gesunden reif geborenen Babys ist darauf ausgelegt, mit dieser Vielfalt klarzukommen. Die zusätzliche Herausforderung durch Impfungen liegt im natürlichen Belastungsbereich.

Inhaltsstoffe in Impfstoffen: sind die sicher?

Impfstoffe bestehen nicht nur aus dem eigentlichen Antigen. Hinzu kommen zum Beispiel:

  • kleine Mengen an Hilfsstoffen, die den Impfstoff stabil halten
  • Salze oder Zucker, damit der pH-Wert stimmt
  • winzige Spuren von Substanzen aus dem Herstellungsprozess

All diese Bestandteile sind in sehr geringen Mengen enthalten und werden streng kontrolliert. In Deutschland überwachen unter anderem das Paul-Ehrlich-Institut und das RKI die Sicherheit, die STIKO bewertet Nutzen und Risiken und gibt darauf basierend ihre Empfehlungen heraus.

Viele dieser Stoffe nimmt ein Kind im Laufe seines Lebens in deutlich höheren Mengen über Nahrung, Wasser oder die Umwelt auf, als es sie mit einem Impfstoff erhält.

Bevor ein Impfstoff in den regulären Impfplan fürs Baby aufgenommen wird, wird er in Studien mit tausenden Kindern geprüft und nach der Zulassung kontinuierlich überwacht.

Warum ein Hinauszögern von Impfungen riskant sein kann

Manche Eltern haben das Gefühl, mit einem „eigenen, langsameren Impfplan“ besonders vorsichtig zu sein. In Wirklichkeit vergrößert sich damit oft nur das Zeitfenster, in dem das Baby keinen Schutz vor Krankheiten hat, die gerade im Säuglingsalter besonders gefährlich sind.

Beispiele:

  • Hepatitis B – Wenn ein Kind einer infizierten Mutter geboren wird, steigt mit jeder Stunde ohne Impfung direkt nach der Geburt das Risiko, sich anzustecken und eine chronische Lebererkrankung zu entwickeln.
  • Tuberkulose (BCG) – Schwere Verläufe wie TB-Meningitis treffen vor allem die jüngsten Kinder. Wo BCG empfohlen ist, soll sie genau diese frühen schweren Verläufe verhindern.

Ausgedehnte „Alternativpläne“ haben keinen nachgewiesenen Vorteil und werden von anerkannten Fachgesellschaften nicht empfohlen. Sie sorgen lediglich dafür, dass Kinder länger ungeschützt bleiben.

Wenn Sie unsicher oder ängstlich sind, sprechen Sie offen mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder der Hebamme, statt Termine einfach zu verschieben. So können Nutzen und mögliche Risiken jeder Impfung in Ruhe anhand der Situation Ihres Kindes erklärt werden.


Der Impfplan Baby im ersten Jahr: wo passen die Neugeborenenimpfungen hinein?

Die Impfungen im ersten Monat sind nur der Auftakt eines gut strukturierten Impfprogramms.

In Deutschland umfasst der übliche Impfplan fürs Baby im ersten Lebensjahr (STIKO-Empfehlungen, Stand zum Zeitpunkt der Erstellung) typischerweise:

  • Direkt nach der Geburt (bei Risikokonstellationen)

    • Hepatitis B Impfung beim Neugeborenen + HBIG, wenn die Mutter Hepatitis B trägt
    • In Ausnahmefällen BCG Impfung Neugeborenes bei besonderem TB-Risiko und geplanter Reise in Hochinzidenzgebiete (Einzelfallentscheidung)
  • Ab 2. Lebensmonat

    • 6-fach-Impfung (Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hib, Hepatitis B)
    • Pneumokokken-Impfung
    • Rotavirus-Schluckimpfung
  • 3. Lebensmonat

    • Zweite Dosis der 6-fach-Impfung
    • Zweite Dosis Rotavirus
  • 4. bis 5. Lebensmonat

    • Dritte Dosis der 6-fach-Impfung
    • Zweite Dosis Pneumokokken (bei 2+1 Schema)
  • Ab 11. bis 14. Lebensmonat

    • Auffrischimpfung Hib/MenC (je nach verwendetem Impfstoff)
    • MMR (Masern, Mumps, Röteln)
    • Varizellen (Windpocken), wenn empfohlen bzw. von der Kasse übernommen
    • Weitere Pneumokokken-Dosis (bei 2+1 Schema)

Die Hepatitis B Impfung ist also in der 6-fach-Impfung enthalten, sodass eine eventuell gegebene Hepatitis B Geburtsdosis später durch die regulären Impfungen ergänzt wird.

Den individuell gültigen Plan für Ihr Kind finden Sie im Gelben Kinderuntersuchungsheft und in den offiziellen Empfehlungen der STIKO (Deutschland), des Nationalen Impfgremiums (Österreich) oder der EKIF (Schweiz). Viele Kinderärzte legen zusätzlich einen übersichtlichen Impfkalender an.


Abschließende Gedanken

Entscheidungen zu Impfungen beim Neugeborenen fühlen sich oft schwer an. Sie sollen Ihrem Baby eine unangenehme, aber kurze Situation zumuten, um eine Krankheit zu verhindern, die vielleicht nie auftreten wird.

Genau das ist das Wesen von Vorsorge: Wenn Impfungen wirken, passiert – scheinbar – nichts. Kein Hepatitis B Virus, das still und leise die Leber über Jahre schädigt. Keine TB-Meningitis bei einem Kleinkind, das plötzlich nicht mehr laufen kann. Kein hektischer Notfall, der durch eine Impfung vermeidbar gewesen wäre.

Die Hepatitis B Impfung, eine mögliche BCG Impfung in besonderen Situationen und die weiteren Impfungen fürs Baby im ersten Lebensjahr sind keine bloßen Pflichttermine. Sie erhöhen die Chance, dass Ihr Kind gesund aufwächst und schwere Infektionen nie persönlich kennenlernen muss.

Stellen Sie Fragen. Holen Sie sich Erklärungen, bis Sie sich sicher fühlen. Und wissen Sie: Wenn Sie sich für die empfohlenen Impfungen entscheiden, nutzen Sie eine der bestuntersuchten und wirkungsvollsten Möglichkeiten, Ihr Kind gerade in den ersten, besonders empfindlichen Lebensmonaten zu schützen.


Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und sollte nicht als Ersatz für den Rat Ihres Arztes, Kinderarztes oder eines anderen Gesundheitsdienstleisters verwendet werden. Wenn Sie Fragen oder Bedenken haben, sollten Sie einen Gesundheitsfachmann konsultieren.
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