Die 2-Monats-Marke fühlt sich für viele Eltern wie ein kleiner Wendepunkt an. Dein Baby ist wacher, beginnt zu lächeln, macht vielleicht erste „Gurr‑Geräusche“ und reagiert mehr auf euch. Gleichzeitig steht nun oft der erste größere Block an Impfungen im Impfkalender für Säuglinge an.
Wenn du dich bei dem Gedanken an Spritzen unwohl fühlst oder sogar etwas davor graust, bist du damit nicht allein. Hier findest du einen Überblick darüber, welche Impfungen mit 2 Monaten in der Regel vorgesehen sind, warum sie so wichtig sind, welche Nebenwirkungen auftreten können und wann du deine Kinderarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117 in Deutschland) oder im Notfall den Rettungsdienst (112) kontaktieren solltest.
Mit etwa 8 Wochen starten in vielen deutschsprachigen Ländern (zum Beispiel laut Impfplan der STIKO in Deutschland oder dem österreichischen Impfplan) die ersten Grundimmunisierungen. Der Zeitpunkt ist gut überlegt.
Gleichzeitig passieren drei entscheidende Dinge:
Babys sind extrem anfällig für Infektionen.
Erkrankungen wie Keuchhusten, Meningitis oder Pneumokokken-Infektionen können Erwachsene stark krank machen, bei jungen Säuglingen können sie jedoch innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.
Mütterliche Antikörper lassen nach.
In der Schwangerschaft überträgst du über die Plazenta schützende Antikörper auf dein Kind. Dieser Schutz hält aber nicht lange an. Mit etwa 2 Monaten ist er für mehrere Krankheiten bereits so weit abgefallen, dass man sich nicht mehr darauf verlassen kann.
Viele dieser Erreger verbreiten sich unbemerkt.
Ein Teil der Krankheitserreger, gegen die geimpft wird, wird schon übertragen, bevor jemand merkt, dass er krank ist. Dein Baby kann ihnen also nicht einfach entkommen, nur weil ihr euch noch zurückhaltend unter Leute mischt.
Die Impfungen mit 2 Monaten sind der Startschuss für den eigenen Langzeitschutz deines Babys. Du kannst diesen Termin dir wie das Legen des Fundaments für das „Immungedächtnis“ deines Kindes vorstellen. So kann sein Körper die Erreger später schneller erkennen und bekämpfen.
Die Bezeichnungen im Impfpass sehen oft wie Buchstabensalat aus. Hier ein Überblick, welche Impfungen für Babys in diesem Alter typischerweise empfohlen werden und wogegen sie schützen. Je nach Land und individuellem Impfplan kann es kleine Unterschiede geben, die Kinderärztin oder der Kinderarzt erklärt dir das im Detail.
Viele Praxen nutzen Kombinationsimpfstoffe, damit dein Kind weniger einzelne Spritzen braucht.
Oft wird sie einfach als 6-fach Impfung oder Sechsfachimpfung beim Baby bezeichnet. Sie schützt vor:
Diphtherie
Eine schwere Halsinfektion, die die Atemwege verlegen kann und ein Gift freisetzt, das Herz und Nerven schädigen kann.
Tetanus (Wundstarrkrampf)
Wird durch Bakterien aus Erde oder Schmutz verursacht, die über Wunden in den Körper gelangen. Führt zu starken Muskelkrämpfen und kann die Atmung blockieren.
Pertussis (Keuchhusten)
Besonders gefährlich für junge Säuglinge. Sie bekommen schwer Luft, können blau anlaufen und brauchen nicht selten eine Behandlung auf der Intensivstation.
Poliomyelitis (Kinderlähmung, IPV)
Ein Virus, das zu bleibenden Lähmungen führen kann. Durch konsequente Impfungen ist Polio bei uns sehr selten geworden, weltweit existiert es aber noch.
Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
Eine häufige Ursache für bakterielle Hirnhautentzündungen und schwere Infektionen wie Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) bei Babys und Kleinkindern.
Hepatitis B
Ein Virus, das die Leber angreift und später zu chronischen Leberschäden und Leberkrebs führen kann.
Mit einer einzigen Injektion deckt die 6‑fach Impfung also sechs ernste Krankheiten ab. Die Hepatitis B Impfung mit 2 Monaten ist in dieser Kombination bereits enthalten.
Im Impfplan wird sie oft als Pneumokokken-Konjugatimpfung oder z. B. PCV13/PCV10 geführt.
Sie schützt vor Infektionen mit Streptococcus pneumoniae, die auslösen können:
Gerade Babys im ersten Lebensjahr haben ein erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen, daher ist die Pneumokokken Impfung beim Baby ein fester Bestandteil des Impfkalenders.
Rotaviren sind sehr ansteckende Erreger, die vor allem:
verursachen. Für größere Kinder ist das hauptsächlich sehr unangenehm. Für kleine Säuglinge kann es schnell gefährlich werden und zu einem Krankenhausaufenthalt mit Infusionen führen.
Die Rotavirus Impfung Baby wird als süßliche Flüssigkeit in den Mund verabreicht, also nicht gespritzt. Es handelt sich um eine abgeschwächte Lebendimpfung und sie senkt nachweislich die Zahl der schweren Magen-Darm-Infekte und Klinikeinweisungen deutlich.
In einigen deutschsprachigen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, wird die Meningokokken B Impfung von der STIKO als Standardimpfung im Säuglingsalter empfohlen. Viele Kinderärztinnen und Kinderärzte bieten sie bereits ab dem 2. Lebensmonat an.
Sie schützt vor einem der häufigsten Erreger bakterieller Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen bei Säuglingen und Kleinkindern.
Eine Meningokokken-B-Erkrankung kann sich extrem schnell entwickeln. Manche Kinder werden innerhalb weniger Stunden von „etwas quengelig“ zu lebensbedrohlich krank. Deshalb wird der Schutz so früh begonnen.
Dein Kinderarzt oder deine Kinderärztin erklärt dir, welche konkreten Impfstoffe und Kombinationen euer Baby bekommt. Wenn du unsicher bist, lass dir die Namen ruhig aufschreiben oder dir den offiziellen Impfplan noch einmal zeigen.
Wenn du weißt, wie der Ablauf ungefähr aussieht, nimmt das oft viel Anspannung.
U-Heft / Mutter-Kind-Pass und Impfpass mitnehmen.
Dort werden alle Impfungen deines Babys dokumentiert.
Praktische Kleidung wählen.
Ein Strampler oder Body, der sich im Schritt oder an den Beinen leicht öffnen lässt, macht es einfacher, an die Oberschenkel zu kommen. Zu viele enge Schichten mit vielen Knöpfen erschweren nur alles.
Nach Bedarf stillen oder füttern.
Du kannst dein Baby vor oder nach den Impfungen stillen oder die Flasche geben, je nachdem, was besser passt. Manche Eltern stillen während der Spritzen, das kann beruhigen.
Fragen notieren.
Wenn du dir Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen der Impfung beim Baby machst oder online etwas Verunsicherndes gelesen hast, schreib deine Fragen vorher auf. So vergisst du nichts im Praxisstress.
Bei den Impfungen mit 2 Monaten bekommen die meisten Babys:
Die medizinische Fachkraft wird:
Ja, dein Baby wird sehr wahrscheinlich weinen. Es ist ein kurzer, scharfer Piks, aber er ist schnell vorbei. Die meisten Babys beruhigen sich innerhalb weniger Minuten wieder, wenn sie gehalten, gestillt oder gewiegt werden.
Viele Eltern finden es emotional anstrengend, dabei zuzuschauen. Das ist völlig normal. Du kannst auch wegschauen und dein Kind trotzdem sicher im Arm halten, wenn dir das leichter fällt.
Nach den Impfungen mit 2 Monaten kann es sein, dass dein Baby für ein bis zwei Tage etwas anders wirkt als sonst. Das zeigt, dass das Immunsystem arbeitet.
Typische, erwartbare Nebenwirkungen sind:
Leichtes Fieber
Unruhe oder Quengeln
Rötung, Schwellung oder ein kleines Knötchen an der Einstichstelle
Müdigkeit
Verringertes Trinkverhalten
Diese Nebenwirkungen sind sehr häufig und in der Regel mild. Meistens klingen sie innerhalb von 24 bis 48 Stunden von selbst ab.
Wenn dein Baby zwar „nicht ganz auf der Höhe“ wirkt, aber weiterhin trinkt, nasse Windeln hat, ab und zu wach und ansprechbar ist und sich zumindest zeitweise beruhigen lässt, ist das meistens ein gutes Zeichen.
Du kannst den Piks nicht rückgängig machen, aber du kannst einiges tun, damit es deinem Baby danach möglichst gut geht.
Hilfreich sind zum Beispiel:
Viel Körperkontakt und Kuscheln
Viele Babys brauchen nach Impfungen besonders viel Nähe. Haut-auf-Haut-Kontakt oder Tragen in der Tragehilfe / im Tuch kann sehr beruhigend wirken.
Häufigere, kleinere Mahlzeiten anbieten
Manche Babys möchten öfter, dafür weniger trinken. Egal ob Muttermilch oder Fläschchen - orientiere dich an den Signalen deines Kindes.
Säuglingsparacetamol nach Empfehlung geben
Kühle Auflage an der Einstichstelle
Ein sauberer, kühler (nicht eiskalter) Waschlappen, sanft auf die betroffene Stelle gelegt, kann helfen, wenn diese sehr warm oder druckempfindlich ist. Nicht stark massieren oder reiben.
Leichte Kleidung bei Fieber
Hat dein Baby etwas erhöhte Temperatur, zieh es eher dünn an und nutze nur eine leichte Decke. Ziel ist ein angenehmes Wohlfühlklima - nicht „warm einpacken“ und auch nicht auskühlen lassen.
Hör auch auf dein Bauchgefühl. Wenn du das Bedürfnis hast, am Tag nach den Impfungen keine Termine zu machen und einfach zu Hause zur Ruhe zu kommen, ist das völlig in Ordnung.
Schwere Reaktionen auf Impfungen mit 2 Monaten sind selten, aber es ist wichtig, die Warnzeichen zu kennen.
Kontaktiere deine Kinderarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117 in Deutschland, in anderen Ländern die entsprechende Nummer) oder im Zweifel direkt den Notruf 112, wenn:
Das Fieber über 39 °C steigt und länger als 48 Stunden anhält
Ein kurzfristig erhöhtes Fieber ist normal, ein länger anhaltendes hohes Fieber sollte abgeklärt werden.
Dein Baby über mehr als 3 Stunden ununterbrochen und untröstlich schreit
Babys schreien natürlich, aber ein schrilles, anhaltendes Schreien, bei dem sich dein Kind überhaupt nicht beruhigen lässt, gehört ärztlich beurteilt.
Es sehr schlaff wirkt, schwer zu wecken ist oder ungewöhnlich teilnahmslos scheint
Wenn dein Baby deutlich schwerer ansprechbar ist als sonst oder du das Gefühl hast, „irgendetwas stimmt gar nicht“, nicht zögern.
Atemprobleme auftreten
Sehr schnelle Atmung, hörbare Atemgeräusche (zum Beispiel Grunzen), Einziehungen zwischen den Rippen, Nasenflügeln, die sichtbar „pumpen“, oder eine bläuliche Verfärbung von Lippen oder Gesicht sind immer ein Notfall (112 wählen).
Ein ungewöhnlicher Hautausschlag entsteht
Besonders, wenn:
Ein Krampfanfall auftritt
Krämpfe nach Impfungen sind sehr selten. Wenn dein Baby unkontrolliert zuckt, steif wird oder kurz bewusstlos wirkt, sofort 112 anrufen.
Allergische Reaktionen auf Impfstoffe treten in der Regel innerhalb weniger Minuten nach der Impfung auf. Deshalb bleibt man oft noch kurz im Wartezimmer. Plötzliche Schwellungen im Gesicht oder an der Zunge, Atemnot oder Kreislaufkollaps sind ein Notfall, aber solche Reaktionen kommen äußerst selten vor.
Wenn du unsicher bist und einfach „kein gutes Gefühl“ hast, ist es immer richtig, medizinischen Rat zu suchen, zum Beispiel über den Bereitschaftsdienst 116 117 oder die zuständige Hotline in deinem Land.
Fragen zu Impfungen zu haben ist kein Zeichen von Übervorsicht, sondern völlig verständlich. Viele Eltern bewegen ähnliche Themen, besonders beim Start der Impfserie. Zwei davon tauchen immer wieder auf.
Ein sehr verbreitetes Bauchgrummeln. Die kurze Antwort: Nein, das Immunsystem deines Babys kommt damit problemlos zurecht.
Ein paar Punkte, die viele überraschen:
Der Impfkalender ist so aufgebaut, dass jedes Kind den Schutz in dem Alter bekommt, in dem er am nötigsten ist. Wenn man Impfungen verzögert, bleibt dein Baby ausgerechnet in der Zeit ungeschützt, in der es am verletzlichsten ist.
Dieses Gerücht stammt von einer einzigen, inzwischen vollständig widerlegten Veröffentlichung aus den 1990er Jahren, in der ein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) und Autismus behauptet wurde. Seitdem ist Folgendes passiert:
In der Zwischenzeit haben sehr große, sorgfältig durchgeführte Studien in mehreren Ländern (unter anderem in Dänemark, Schweden, Großbritannien, auch mit Daten aus Deutschland) Hunderttausende Kinder untersucht. Ergebnis: kein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus.
Man geht heute davon aus, dass Autismus bereits vor der Geburt entsteht, im Rahmen der frühen Hirnentwicklung und genetischer Faktoren. Er wird nicht durch Impfungen oder Bestandteile von Impfstoffen verursacht.
Wenn du dich detaillierter informieren möchtest, findest du auf den Seiten des Robert Koch-Instituts (RKI) oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gut verständliche Zusammenfassungen der aktuellen Studienlage.
Eltern werden heute mit Informationen und Meinungen über Impfungen regelrecht überschüttet. Nicht alles, was gut gemeint ist, stimmt auch. Wenn man alles auf den Kern reduziert, bleibt:
Du arbeitest also nicht einfach nur eine Liste im Impfpass ab. Du ermöglichst deinem Kind einen Schutz, von dem frühere Generationen nur hätten träumen können.
Am Impftag selbst hilft es manchmal, die Impfungen mit 2 Monaten als Teamarbeit zu sehen:
Wenn du weißt, was dich bei der Impfung mit 2 Monaten erwartet, welche konkreten Impfungen fürs Baby anstehen (6-fach Impfung, Pneumokokken Impfung Baby, Rotavirus Impfung Baby, Meningokokken B Impfung, gegebenenfalls Hepatitis B Impfung 2 Monate) und welche Nebenwirkungen der Impfung beim Baby normal sind, nimmt das viel Unsicherheit.
Niemand kennt dein Baby so gut wie du. Wenn dir nach den Impfungen etwas komisch vorkommt, hol dir Hilfe. Und falls du mit weichen Knien in diesen Termin hineingehst, aber trotzdem hingehst, ist das alles andere als selbstverständlich. Es ist eine dieser leisen, alltäglichen Entscheidungen, mit denen du die Gesundheit deines Kindes langfristig schützt.