Das erste Mal, wenn dein Baby dir in die Augen schaut und ein leises „ooooh“ oder „aaah“ von sich gibt, fühlt sich fast magisch an. Der Laut ist winzig, die Botschaft dahinter riesig: Ich bin da, ich höre zu und ich versuche, mit dir zu sprechen.
Diese frühen Babylaute, das sogenannte Gurren, sind der allererste Schritt in der Sprachentwicklung beim Baby. Schauen wir uns an, was genau Gurren ist, wann Babys damit anfangen, was das für das Gehirn bedeutet und wie du Babys erste Laute sanft unterstützen kannst.
Gurren sind die ersten freiwilligen, nicht weinerlichen Laute deines Babys. Einfach gesagt: Zum ersten Mal macht dein Baby Geräusche, weil es Lust dazu hat, nicht weil es hungrig ist oder sich unwohl fühlt.
Typische Gurr-Laute sind zum Beispiel:
Wenn du genauer hinhörst, merkst du beim Babygurren:
Wenn du dich also fragst: Was ist Gurren genau? Stell dir vor, dein Baby macht seine ersten kleinen Stimm-Experimente. Es hat entdeckt, dass da ein Ton aus seinem Inneren kommt, und es spielt damit.
Viele Eltern fragen sich: „Wann gurren Babys?“
Die meisten Babys beginnen zu gurren zwischen der 6. und 8. Lebenswoche. Manche fangen schon um die 4. Woche herum an, andere brauchen ein bisschen länger.
Typisch ist:
Zur Frage „Wann gurren Babys regelmäßig?“:
Klarere, häufigere Babylaute und Gurr-Geräusche hörst du meist zwischen 2 und 3 Monaten, zum Beispiel nach dem Stillen oder der Flasche oder beim Wickeln, wenn dein Baby entspannt ist.
War dein Kind zu früh geboren, können sich diese Meilensteine der Baby-Lautentwicklung um einige Wochen nach hinten verschieben, gemessen am korrigierten Alter. Das ist in der Regel völlig normal.
Gurren ist nicht nur „süßes Babygebrabbel“. Es zeigt dir, dass sich enorm viel entwickelt.
Um diese weichen Babylaute zu erzeugen, braucht dein Baby:
Mit anderen Worten: Beim Gurren üben die Sprechmuskeln deines Babys. Sie wärmen sich für spätere, komplexere Laute auf.
Im Gehirn deines Babys beginnen Bereiche, die für Sprache zuständig sind, enger zusammenzuarbeiten. Beim Gurren passiert Folgendes:
Dieses ständige Hin und Her zwischen Hören und selber Laute machen ist ein wichtiger Schritt in der Sprachentwicklung beim Baby.
Oft kommt die Frage nach Gurren und Brabbeln: Was ist der Unterschied?
Du kannst es dir wie eine Treppe vorstellen:
Die zarten Gurr-Laute heute legen also die Grundlage für „Mama“, „Papa“ und „Nein“ von morgen.
Im müden Baby-Alltag klingt anfangs vieles einfach nach „Laut“. Trotzdem sind Gurren und Weinen akustisch und inhaltlich sehr verschieden.
Weinen ist:
Weinen ist sozusagen die Überlebenssprache deines Babys. Es sorgt schnell für Aufmerksamkeit - genau das soll es auch.
Gurren ist:
Du erkennst es zum Beispiel daran, dass:
Das sind frühe Gesprächsversuche, keine Alarmzeichen. Dein Baby möchte Kontakt, nicht, dass du „etwas reparierst“.
Um die Sprachentwicklung beim Baby zu fördern, brauchst du keine speziellen Apps, Lernkarten oder Hightech-Spielzeuge. Am wichtigsten bist du: deine Nähe und deine Stimme.
Hier ein paar einfache, gut untersuchte Möglichkeiten, wie du Gurren fördern und die Baby-Lautentwicklung unterstützen kannst.
Damit ist nicht gemeint, dass du pausenlos reden musst. Aber regelmäßiges Sprechen über den Tag verteilt wirkt wahre Wunder.
Erzähl laut, was du gerade machst:
Warum hilft das?
Zu Beginn fühlt es sich vielleicht komisch an, mit jemandem zu reden, der noch nicht antworten kann. Aber dein Baby hört zu - intensiver, als man denkt.
Dieser Tipp wirkt fast wie Zauberei, wenn man ihn das erste Mal bewusst ausprobiert.
So geht’s:
Diese Gesprächspause vermittelt:
Viele Eltern merken, dass sich das Reagieren auf Babygurren so eher wie ein schönes Spiel anfühlt als wie eine Aufgabe, an die man denken „muss“.
Eine der einfachsten, aber wirkungsstärksten Ideen, um Gurren zu fördern.
Gurrt dein Baby:
Dein Baby wird häufig:
Warum das hilft:
Für Erwachsene kann es anfangs etwas albern wirken. Für dein Baby ist es echter Volltreffer in Sachen Freude und Sprachentwicklung Baby.
Du kennst bestimmt diese Stimme, die Erwachsene plötzlich haben, wenn ein Baby dabei ist: etwas höher, langsamer, mit stark betonter Melodie. Fachleute nennen das Parentese oder babygerichtete Sprache. Und sie ist nicht nur niedlich, sondern tatsächlich hilfreich.
Typisch für Parentese:
Studien, unter anderem von der Universität Zürich und anderen europäischen Forschungsgruppen, zeigen, dass Babys:
Damit unterstützt du:
Wichtig: Bleib natürlich. Du musst keine Show abliefern. Sprich einfach warm, deutlich und ein bisschen melodischer als sonst.
Viele denken: „Vorlesen? Mein Baby versteht doch noch gar nichts.“ Aber beim Vorlesen geht es anfangs gar nicht um die Geschichte.
Wenn du liest, nimmt dein Baby wahr:
Du kannst:
Auch wenn die Inhalte noch nicht verstanden werden, saugt dein Baby die „Musik der Sprache“ auf. Das unterstützt frühe Babylaute wie Gurren und später den Wortschatz.
Singen ist Sprachtraining im Kuschelmodus.
Beim Singen:
Probiere zum Beispiel:
Lieder und Reime sind super, um die Sprachentwicklung beim Baby zu fördern, weil sie:
Auch wenn du denkst, du könntest nicht singen: Deinem Baby ist das egal. Für dein Kind gehört deine Stimme zu den liebsten Geräuschen überhaupt.
Die meisten Babys gehen in ihrem eigenen Tempo durch diese frühen Meilensteine der Baby-Lautentwicklung, und die Spanne, was „normal“ ist, ist recht groß. Trotzdem gibt es ein paar Signale, bei denen du besser genauer nachfragen solltest.
Wende dich an Kinderärztin oder Kinderarzt bzw. an die Frühförderstelle, wenn:
Ein fehlendes Babygurren allein muss noch kein ernstes Problem bedeuten, vor allem nicht bei Frühgeborenen oder nach komplizierten Geburten. Aber es ist immer sinnvoll, es abklären zu lassen.
Im deutschsprachigen Raum kannst du zum Beispiel:
Verlass dich auf dein Gefühl. Du verbringst die meiste Zeit mit deinem Baby. Wenn dir etwas „komisch“ vorkommt, bist du nicht übertrieben ängstlich, wenn du nachfragst.
Die nächtlichen Stillmomente um 3 Uhr, leise Lieder beim Windelwechsel, die albernen „gu-gu“-Dialoge auf dem Sofa - all das gehört zur Sprachgeschichte deines Babys.
Gurren ist:
Indem du mit deinem Baby sprichst, Pausen lässt, reagierst, Laute nachahmst, Parentese nutzt, vorliest und singst, tust du schon unglaublich viel, um Gurren zu fördern und die Sprachentwicklung beim Baby zu unterstützen.
Perfekte Sätze brauchst du nicht. Du musst nicht klingen wie eine Kinderfernseh-Moderatorin.
Es reicht, wenn du da bist - mit deiner Stimme, deinem Baby und ein bisschen Raum für diese kleinen, wunderbaren Laute: „aah“, „ooh“, „eee“, „gu“…
So beginnen Babys erste Laute und damit der lange Weg zur Sprache.