Wunde und rissige Brustwarzen beim Stillen - Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Mutter stillt Baby, Fokus auf Brust und Anlegeposition

Stillen soll sich im Großen und Ganzen gut anfühlen. Anstrengend, ja, aber nicht so, als würden deine Brustwarzen bei jedem Anlegen brennen. Wenn du mit wunden oder rissigen Brustwarzen beim Stillen, Blutungen oder stechenden Schmerzen kämpfst, bedeutet das nicht, dass du „zu empfindlich“ bist, etwas falsch machst oder versagst. Und du bist ganz sicher nicht allein.

Was du tun kannst: die Ursache der Verletzungen ändern und deinen Körper dabei unterstützen, zu heilen. Genau dafür ist dieser Ratgeber gedacht – klare, alltagstaugliche Schritte, wie du wunde Brustwarzen beim Stillen vorbeugst und behandelst, ohne Schuldgefühle und ohne Verwirrung.


Warum wunde und rissige Brustwarzen beim Stillen entstehen

Die meisten wunden Brustwarzen und Risse haben nichts damit zu tun, dass deine Brustwarzen „nicht zum Stillen gemacht“ wären. Meist ist es ein mechanisches Problem.

Häufigste Ursache: falsches Anlegen

Der mit Abstand häufigste Grund für Schmerzen beim Stillen ist ein nicht optimaler Still-Anlegegriff.

Liegt dein Baby nur auf der Brustwarze, statt einen großen Teil der Brust in den Mund zu nehmen, wird die Brustwarze bei jedem Saugen gerieben, eingeklemmt und zusammengedrückt. Auf Dauer führt diese Reibung zu:

  • wunden Brustwarzen in den ersten Tagen
  • später sichtbaren Rissen, Blutungen und „lippenstiftförmigen“ oder plattgedrückten Brustwarzen nach dem Stillen

Bei einem guten Anlegen arbeitet der Mund deines Babys am Brustgewebe, nicht an der Brustwarze selbst.

Weitere häufige Ursachen für wunde Brustwarzen

Manchmal sieht das Anlegen ganz okay aus, aber etwas anderes sorgt dafür, dass das Stillen weh tut.

1. Verkürztes Zungenband beim Baby

Ein verkürztes Zungenband (Ankyloglossie) bedeutet, dass die Zunge deines Babys zu straff mit dem Mundboden verbunden ist. Dadurch kann es die Zunge nicht weit genug heben oder nach vorne strecken.

Hinweise darauf, dass ein Zungenband beim Baby das Stillen beeinflusst:

  • Baby kann den Saugschluss schlecht halten und rutscht ständig von der Brust
  • Klicken beim Stillen (du hörst häufige Klick- oder Schmatzgeräusche)
  • sehr luftiges, „blähiges“ Baby, weil es viel Luft schluckt
  • schwache Gewichtszunahme trotz häufigen Stillens
  • deine Brustwarzen sind nach dem Stillen abgeflacht, gefaltet oder haben Rillen
  • du hast über die erste Woche hinaus anhaltende Schmerzen beim Stillen

Zungenband und Stillen schließen sich nicht aus, wenn ihr gute Unterstützung habt. Manchmal ist aber eine Durchtrennung des Zungenbandes (Frenotomie) sinnvoll. Das kann z. B. eine Still- und Laktationsberaterin (IBCLC) oder eine Kinderärztin / ein Kinderarzt mit entsprechender Erfahrung einschätzen.

2. Falsche Pumpflansch-Größe

Wenn du abpumpst, kann eine nicht passende Pumpflansch-Größe ebenfalls wunde oder rissige Brustwarzen und tiefe, bläulich drückende Schmerzen verursachen.

Typische Anzeichen für eine unpassende Trichtergröße:

  • viel Vorhof (Areola) wird in den Tunnel gezogen (meist zu groß)
  • die Brustwarze reibt an den Seiten entlang (meist zu klein)
  • ringförmige Bläschen oder Risse genau an der Grenze Brustwarze / Areola
  • zunehmende Schmerzen an der Brustwarze, je öfter du pumpst

Die richtige Pumpflansch-Größe ist kein Ratespiel. Viele Stillberatungsstellen, Hebammenpraxen, Familienzentren oder freiberufliche IBCLCs im deutschsprachigen Raum bieten inzwischen auch Online-Beratungen an, um die passende Größe zu finden.

3. Pilzinfektion (Brustpilz beim Stillen)

Ein Brustpilz beim Stillen (Soor) ist eine Hefepilz-Infektion, die auch auftreten kann, wenn die Haut noch recht intakt aussieht.

Typische Symptome für Brustpilz:

  • brennende oder stechende Schmerzen an der Brustwarze während und vor allem nach dem Stillen
  • Schmerzen, die tief in die Brust hineinziehen
  • glänzende, kräftig rosa oder rote Brustwarzen
  • Juckreiz oder extreme Berührungsempfindlichkeit
  • dein Baby hat eventuell weiße Beläge im Mund, die sich nicht einfach wegwischen lassen, oder einen sehr roten wunden Windelbereich

Ein Pilz braucht eine antimykotische Behandlung für Mutter und Baby gleichzeitig. Nur eine Creme oder ein Gel für dich reicht nicht, weil ihr euch sonst gegenseitig immer wieder ansteckt.

4. Trockene, gereizte Haut

Zu häufiges Waschen, Seife auf der Brust oder sehr trockene Heizungsluft können trockene Brustwarzen beim Stillen begünstigen, die dann leichter einreißen.

Daran erkennst du es:

  • schuppige, trockene Haut auf und um die Brustwarze
  • spannendes, „zu enges“ Hautgefühl
  • eher oberflächliche Risse, die an spröde Lippen erinnern, weniger an tiefe Schnitte

Hier helfen sanfte Pflege und Feuchtigkeit, dazu gleich mehr.


Vorbeugen ist das A und O: Risse gar nicht erst entstehen lassen

Rissige Brustwarzen heilen – das geht. Aber neue Verletzungen zu vermeiden, ist deutlich einfacher und schneller. Sieh es so: Du schützt deine Haut, während dein Baby das Stillen erst noch lernt.

Richtig anlegen beim Stillen

Ein guter Anlegegriff beim Stillen ist die wichtigste Maßnahme, um wunde und rissige Brustwarzen zu verhindern.

Konkrete Tipps, wie du dein Baby richtig anlegst:

  1. Startposition: Nase auf Höhe der Brustwarze
    Halte dein Baby so, dass seine Nase etwa auf Höhe deiner Brustwarze liegt. So legt es den Kopf leicht in den Nacken und öffnet den Mund weiter, statt sich nach vorne zu rollen und nur die Spitze zu fassen.

  2. Auf den „großen Mund“ warten
    Streiche mit der Brustwarze sanft über die Oberlippe deines Babys. Sobald es den Mund richtig weit aufmacht – wie beim Gähnen – ziehst du dein Baby rasch zur Brust heran (nicht die Brust zum Baby).

  3. Aufgestülpte Lippen
    Beide Lippen sollten nach außen gestülpt sein, wie ein kleines „Fischmäulchen“, nicht nach innen eingerollt. Ist eine Lippe eingeklappt, kannst du sie vorsichtig mit einem Finger nach außen klappen.

  4. Asymmetrischer Anlegegriff beim Stillen
    Bei einem guten Anlegegriff hat dein Baby mehr Areola unterhalb der Brustwarze im Mund als oberhalb. Dafür richtest du die Brustwarze leicht Richtung Gaumendach des Babys und führst zuerst das Kinn an die Brust.

  5. Kinn an der Brust, Nase frei
    Das Kinn soll fest in der Brust liegen. Die Nase darf nah dran sein, bleibt aber in der Regel frei enough, damit das Baby gut atmen kann. Ist die Nase tief vergraben und das Kinn weg von der Brust, ist der Saugschluss meist zu flach.

  6. Keine Klick-Geräusche
    Du möchtest ein ruhiges Muster aus Saugen-Schlucken-Atmen hören. Klicken beim Stillen deutet oft darauf hin, dass das Baby immer wieder Luft zieht, meist durch einen zu flachen Anlegegriff oder ein Zungenband-Problem.

  7. Schmerz sollte nach wenigen Sekunden nachlassen
    Ein etwas kräftiges Ziehen in den ersten Sekunden kann normal sein, vor allem am Anfang der Stillzeit. Aber anhaltende oder zunehmende Schmerzen durchgehend beim Stillen sind kein Zustand, an den du dich „gewöhnen“ musst.

Bleibt der Schmerz nach den ersten 10 Sekunden über einer 3 von 10, löse dein Baby lieber noch einmal und lege es neu an. Das wirkt mühsam, verhindert aber Tage oder Wochen mit wunden Brustwarzen.

Saugschluss richtig lösen

Bitte nie einfach an deinem Baby ziehen, um es von der Brust zu nehmen. Dieser plötzliche Zug kann die empfindliche Haut zusätzlich einreißen.

So löst du den Saugschluss schonend:

  • Führe einen sauberen Finger in den Mundwinkel deines Babys, zwischen Zahnleiste/Gaumenkamm und Zunge
  • du hörst ein leises „Plopp“, wenn sich das Vakuum löst
  • erst dann nimmst du dein Baby von der Brust

Diese kleine Gewohnheit schützt deine Brustwarzen bei jedem Abnehmen.

Sanfte Brustwarzenpflege beim Stillen

Du brauchst keine komplizierte Pflegeroutine, ein paar einfache Schritte reichen, um wunde, trockene Brustwarzen zu vermeiden.

1. Nach dem Stillen kurz an der Luft trocknen lassen

Bleibt Feuchtigkeit im BH, wird die Haut aufgeweicht und dadurch empfindlicher.

Nach jeder Stillmahlzeit:

  • tupfe bei Bedarf überschüssige Milch mit einem weichen Tuch sanft ab
  • lass Brustwarzen und Vorhof ein paar Minuten an der Luft trocknen
  • wenn möglich, gönn dir täglich etwas Zeit ohne BH oder mit einem lockeren Baumwoll-Top

2. Muttermilch als natürlicher Heiler

Ein dünner Film abgestrichener Muttermilch auf der Brustwarze kann:

  • das Gewebe leicht feucht halten und so die Heilung unterstützen
  • mit seinen Antikörpern vor Infektionen schützen

Streife am Ende der Stillmahlzeit ein paar Tropfen Milch per Hand aus, verteile sie auf Brustwarze und Warzenhof und lass alles an der Luft trocknen.

3. Die passende Brustwarzencreme wählen

Du kannst verwenden:

  • Medizinische Lanolin-Creme
  • oder einen speziellen Nippel-Balsam für die Stillzeit, idealerweise so, dass du ihn vor dem Stillen nicht abwaschen musst

Nach jeder Still- oder Pumpmahlzeit eine erbsengroße Menge auftragen. Ziel ist ein angenehmer, feucht geschützter Film, keine dicke, klebrige Schicht.

4. Keine Seife auf die Brustwarzen

Seife entzieht der Haut ihre natürlichen Fette und trocknet sie aus.

Für die tägliche Pflege gilt:

  • Brüste in der Dusche nur mit warmem Wasser abspülen
  • keine Duschgels direkt auf Brustwarzen und Vorhof
  • anschließend sanft mit einem weichen Handtuch trocken tupfen

Wenn die Risse schon da sind: wie Brustwarzen beim Stillen heilen können

Hast du bereits rissige Brustwarzen beim Stillen, kannst du in den meisten Fällen trotzdem weiterstillen. Deine Milch ist sicher für dein Baby, auch wenn sich mal ein Tropfen Blut dazumischt.

Das Ziel jetzt: Schmerzen reduzieren, die Haut schützen und Heilung ermöglichen, während dein Baby weiter trinken kann.

Darf ich mit rissigen Brustwarzen weiterstillen?

In den allermeisten Fällen ja. Weiterstillen:

  • erhält deine Milchmenge
  • ist für dein Baby ungefährlich, auch wenn die Brustwarze wund aussieht
  • tut mit verbessertem Anlegen oft sogar weniger weh

Wenn du aber jede Stillmahlzeit schon Stunden vorher fürchtest, ist das ein deutliches Zeichen, dass du mehr Unterstützung brauchst - nicht, dass du gescheitert bist.

Schritt-für-Schritt-Plan zur Behandlung

So kannst du wunde Brustwarzen beim Stillen möglichst schnell heilen – im Rahmen dessen, was Haut eben leisten kann.

1. Bei jedem Stillen am Anlegegriff arbeiten

Solange die Ursache bleibt, können die Risse nicht heilen. Nutze die Tipps für richtiges Anlegen und:

  • lege neu an, wenn der Schmerz sehr stark ist oder die Brustwarze sich eingeklemmt anfühlt
  • probiere verschiedene Stillpositionen (z. B. Rückengriff / „Football-Hold“, zurückgelehntes Stillen, Wiege- / Kreuzwiegegriff), um herauszufinden, was für dich am angenehmsten ist

Schon kleine Verbesserungen im Anlegegriff reduzieren Reibung und Druck auf die verletzten Stellen.

2. Feuchte Wundheilung: Risse nicht austrocknen lassen

Rissige Haut heilt schneller, wenn sie leicht feucht gehalten wird und keine harten Schorfkanten bildet.

Für eine feuchte Wundheilung:

  • nach jeder Stillmahlzeit ein paar Tropfen Milch ausdrücken und sanft über die Brustwarze streichen
  • anschließend Lanolin oder Nippelcreme auftragen, während die Haut noch minimal feucht ist
  • Stilleinlagen verwenden, die nicht an der Haut festkleben, und sie regelmäßig wechseln, sobald sie feucht sind

Lass die Risse nicht stundenlang komplett austrocknen, sonst reißt die Haut beim nächsten Dehnen leichter wieder ein.

3. Hydrogel-Pads zwischen den Stillmahlzeiten

Hydrogel-Pads können sich bei brennenden, heißen Brustwarzen himmlisch kühl anfühlen.

Tipps zur Anwendung:

  • im Kühlschrank aufbewahren für zusätzlichen Kühleffekt
  • direkt auf die Brustwarze legen und zwischen den Stillmahlzeiten tragen
  • Produktanleitung beachten, insbesondere ob vor dem Stillen abgewaschen werden soll

Sie sind kein Muss, aber viele Mütter im deutschsprachigen Raum berichten, dass sie ihnen besonders in der Anfangszeit sehr geholfen haben.

4. Stillpositionen abwechseln

Wenn du die Stillposition wechselst, verändert sich der Druckpunkt im Mund deines Babys auf der Brustwarze.

Mögliche Varianten:

  • tagsüber im Kreuzwiegegriff, beim nächsten Mal im Rückengriff
  • nachts im Liegen stillen, um selbst etwas mehr Ruhe zu haben
  • im zurückgelehnten Sitzen stillen, damit die Schwerkraft deinem Baby hilft, tiefer anzudocken

Stell dir vor, du hast eine Blase am Fuß – du würdest auch versuchen, nicht ständig an genau derselben Stelle zu scheuern.

5. Vorübergehend abpumpen auf der stark verletzten Seite

Ist eine Brustwarze so stark verletzt, dass Stillen dort kaum auszuhalten ist, kannst du:

  • vor allem an der weniger schmerzhaften Seite stillen
  • die stärker betroffene Seite vorsichtig abpumpen – mit passender Pumpflansch-Größe und niedriger Saugstärke
  • die abgepumpte Milch deinem Baby ggf. mit Becher, Löffel oder in Rücksprache mit einer Fachperson mit einer langsam fließenden Flasche (paced bottle feeding) geben

Das sollte eine Kurzzeit-Lösung sein, idealerweise nur für ein paar Tage, während du Unterstützung zu Anlegegriff und Positionen bekommst. Die meisten Mütter möchten das Baby langfristig wieder an beiden Seiten anlegen.

6. Schmerzmittel

Du musst Schmerzen nicht stillschweigend aushalten.

Besprich mit deiner Hebamme, Ärztin / deinem Arzt:

  • ob Paracetamol oder Ibuprofen in stillverträglicher Dosierung für dich infrage kommt
  • Kühlpacks, in ein Tuch gewickelt, zwischen den Stillmahlzeiten

Wenn du Fieber bekommst, grippeähnliche Symptome hast oder eine gerötete, überwärmte Stelle an der Brust bemerkst, lass bitte zeitnah ärztlich abklären, ob sich ein Milchstau oder eine Brustentzündung (Mastitis) entwickelt hat.


Brustpilz erkennen: wenn nicht nur Risse das Problem sind

Manchmal pflegst du die Haut, verbesserst den Anlegegriff und trotzdem fühlt sich jede Stillmahlzeit an wie Feuer. Dann solltest du Brustpilz beim Stillen im Hinterkopf haben.

Wichtige Anzeichen für Brustpilz:

  • brennender oder stechender Schmerz bis zu einer Stunde nach dem Stillen
  • Schmerzen tief in der Brust, nicht nur an der Oberfläche
  • glänzende, kräftig rosa bis rötliche Brustwarzen
  • Juckreiz, Brennen oder extreme Empfindlichkeit gegenüber Kleidung
  • keine Besserung, obwohl das Anlegen gut aussieht und du sorgfältige Brustwarzenpflege betreibst

Beim Baby können hinzukommen:

  • weiße Beläge an Innenseiten der Wangen, auf Zunge oder Zahnleisten, die sich nicht leicht abwischen lassen
  • Unruhe an der Brust, häufiges Andocken und wieder Wegziehen, Weinen
  • sehr roter Windelausschlag mit kleinen roten Pünktchen drumherum

Ein ausgeprägter Soor verschwindet nicht von allein.

Ihr braucht beide eine antimykotische Behandlung zur gleichen Zeit, häufig:

  • eine Pilzcreme für deine Brustwarzen
  • ein Gel oder Tropfen gegen Pilz im Mund des Babys
  • eventuell Tabletten für dich, wenn der Pilz schon tiefer in der Brust sitzt

Wenn du Brustpilz vermutest, wende dich besser an deine Frauenärztin / deinen Frauenarzt, Kinderarztpraxis, Hebamme oder Stillberaterin, statt auf eigene Faust irgendwelche Cremes zu probieren. Reine Kortisoncremes können einen Pilz zum Beispiel sogar verschlimmern.


Wann du zu einer Stillberaterin oder einem Stillzentrum gehen solltest

Es gibt einen Punkt, an dem Selbsthilfe allein nicht mehr reicht. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eher ein Hinweis: Du darfst dir gezielt fachliche Unterstützung holen.

Hol dir Hilfe bei einer IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant), einer Still- und Laktationsberaterin DGP oder einer erfahrenen Stillberaterin, wenn:

  • Schmerzen über die erste Woche hinaus anhalten, obwohl du am Anlegegriff arbeitest
  • deine Brustwarzen rissig, blutig oder verkrustet sind und sich nicht bessern
  • dein Baby Schwierigkeiten beim Andocken hat, ständig abrutscht oder stundenlang trinkt und trotzdem unzufrieden wirkt
  • du ein verkürztes Zungenband vermutest oder oft Klicken beim Stillen hörst und das Gefühl hast, dass die Milchübertragung nicht optimal ist
  • du denkst, es könnte Brustpilz beim Stillen sein, dich aber unsicher fühlst
  • Abpumpen weh tut oder deine Brustwarzen sich seit Beginn des Pumpens deutlich verschlechtert haben, was auf eine ungeeignete Pumpflansch-Größe hindeuten kann

Im deutschsprachigen Raum kannst du dich zum Beispiel wenden an:

  • Hebamme, Frauenarztpraxis oder Kinderarztpraxis, oft mit Kontakt zu lokalen Stillgruppen
  • Stillambulanzen in Kliniken
  • La Leche Liga (LLL)
  • Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS)
  • Bundesverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC oder andere IBCLC in deiner Region

Viele bieten telefonische Beratung, Online-Termine oder Hausbesuche an.


Zum Schluss: Du sollst beim Stillen nicht leiden

Stillen ist keine Strafe. Ein bisschen Empfindlichkeit in den ersten Tagen ist normal, weil die Brustwarzen plötzlich deutlich mehr beansprucht werden. Anhaltende, starke oder brennende Schmerzen sind dagegen ein deutliches Signal, dass etwas verändert werden darf.

Kurz zusammengefasst:

  • Die meisten wunden Brustwarzen entstehen durch ungünstiges Anlegen – dort lohnt es sich zuerst anzusetzen.
  • Achte auf weit geöffneten Mund, aufgestülpte Lippen, Kinn an der Brust, mehr Areola unten als oben, kein Klicken, keine anhaltenden Schmerzen.
  • Löse den Saugschluss immer mit dem Finger, ziehe dein Baby nie einfach ab.
  • Halte deine Brustwarzenpflege beim Stillen einfach: kurz an der Luft trocknen, wenig Muttermilch, Lanolin oder Nippel-Balsam, keine Seife.
  • Sind bereits Risse da, kannst du meist weiterstillen: feuchte Wundheilung, ggf. Hydrogel-Pads, Stillpositionen variieren und bei Bedarf kurzzeitig auf der schmerzhaften Seite pumpen.
  • Kenne die Anzeichen von Brustpilz beim Stillen und lass dich behandeln, wenn du den Verdacht hast – immer Mutter und Baby.
  • Hol dir professionelle Hilfe, wenn Schmerzen und Stillprobleme über die erste Woche hinaus bestehen, du ein Zungenband beim Baby vermutest oder dich mit der Pumpflansch-Größe oder dem Anlegen unsicher fühlst.

Du gibst deinem Baby mit dem Stillen etwas Wertvolles. Gleichzeitig hast du ein Recht darauf, dass es für dich erträglich und im besten Fall schön ist. Mit den richtigen Anpassungen und der passenden Unterstützung können wunde Brustwarzen heilen – und Stillen wird wieder das, was es sein soll: nah, ruhig und weitgehend schmerzfrei.


Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und sollte nicht als Ersatz für den Rat Ihres Arztes, Kinderarztes oder eines anderen Gesundheitsdienstleisters verwendet werden. Wenn Sie Fragen oder Bedenken haben, sollten Sie einen Gesundheitsfachmann konsultieren.
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