Stillen soll sich im Großen und Ganzen gut anfühlen. Anstrengend, ja, aber nicht so, als würden deine Brustwarzen bei jedem Anlegen brennen. Wenn du mit wunden oder rissigen Brustwarzen beim Stillen, Blutungen oder stechenden Schmerzen kämpfst, bedeutet das nicht, dass du „zu empfindlich“ bist, etwas falsch machst oder versagst. Und du bist ganz sicher nicht allein.
Was du tun kannst: die Ursache der Verletzungen ändern und deinen Körper dabei unterstützen, zu heilen. Genau dafür ist dieser Ratgeber gedacht – klare, alltagstaugliche Schritte, wie du wunde Brustwarzen beim Stillen vorbeugst und behandelst, ohne Schuldgefühle und ohne Verwirrung.
Die meisten wunden Brustwarzen und Risse haben nichts damit zu tun, dass deine Brustwarzen „nicht zum Stillen gemacht“ wären. Meist ist es ein mechanisches Problem.
Der mit Abstand häufigste Grund für Schmerzen beim Stillen ist ein nicht optimaler Still-Anlegegriff.
Liegt dein Baby nur auf der Brustwarze, statt einen großen Teil der Brust in den Mund zu nehmen, wird die Brustwarze bei jedem Saugen gerieben, eingeklemmt und zusammengedrückt. Auf Dauer führt diese Reibung zu:
Bei einem guten Anlegen arbeitet der Mund deines Babys am Brustgewebe, nicht an der Brustwarze selbst.
Manchmal sieht das Anlegen ganz okay aus, aber etwas anderes sorgt dafür, dass das Stillen weh tut.
Ein verkürztes Zungenband (Ankyloglossie) bedeutet, dass die Zunge deines Babys zu straff mit dem Mundboden verbunden ist. Dadurch kann es die Zunge nicht weit genug heben oder nach vorne strecken.
Hinweise darauf, dass ein Zungenband beim Baby das Stillen beeinflusst:
Zungenband und Stillen schließen sich nicht aus, wenn ihr gute Unterstützung habt. Manchmal ist aber eine Durchtrennung des Zungenbandes (Frenotomie) sinnvoll. Das kann z. B. eine Still- und Laktationsberaterin (IBCLC) oder eine Kinderärztin / ein Kinderarzt mit entsprechender Erfahrung einschätzen.
Wenn du abpumpst, kann eine nicht passende Pumpflansch-Größe ebenfalls wunde oder rissige Brustwarzen und tiefe, bläulich drückende Schmerzen verursachen.
Typische Anzeichen für eine unpassende Trichtergröße:
Die richtige Pumpflansch-Größe ist kein Ratespiel. Viele Stillberatungsstellen, Hebammenpraxen, Familienzentren oder freiberufliche IBCLCs im deutschsprachigen Raum bieten inzwischen auch Online-Beratungen an, um die passende Größe zu finden.
Ein Brustpilz beim Stillen (Soor) ist eine Hefepilz-Infektion, die auch auftreten kann, wenn die Haut noch recht intakt aussieht.
Typische Symptome für Brustpilz:
Ein Pilz braucht eine antimykotische Behandlung für Mutter und Baby gleichzeitig. Nur eine Creme oder ein Gel für dich reicht nicht, weil ihr euch sonst gegenseitig immer wieder ansteckt.
Zu häufiges Waschen, Seife auf der Brust oder sehr trockene Heizungsluft können trockene Brustwarzen beim Stillen begünstigen, die dann leichter einreißen.
Daran erkennst du es:
Hier helfen sanfte Pflege und Feuchtigkeit, dazu gleich mehr.
Rissige Brustwarzen heilen – das geht. Aber neue Verletzungen zu vermeiden, ist deutlich einfacher und schneller. Sieh es so: Du schützt deine Haut, während dein Baby das Stillen erst noch lernt.
Ein guter Anlegegriff beim Stillen ist die wichtigste Maßnahme, um wunde und rissige Brustwarzen zu verhindern.
Konkrete Tipps, wie du dein Baby richtig anlegst:
Startposition: Nase auf Höhe der Brustwarze
Halte dein Baby so, dass seine Nase etwa auf Höhe deiner Brustwarze liegt. So legt es den Kopf leicht in den Nacken und öffnet den Mund weiter, statt sich nach vorne zu rollen und nur die Spitze zu fassen.
Auf den „großen Mund“ warten
Streiche mit der Brustwarze sanft über die Oberlippe deines Babys. Sobald es den Mund richtig weit aufmacht – wie beim Gähnen – ziehst du dein Baby rasch zur Brust heran (nicht die Brust zum Baby).
Aufgestülpte Lippen
Beide Lippen sollten nach außen gestülpt sein, wie ein kleines „Fischmäulchen“, nicht nach innen eingerollt. Ist eine Lippe eingeklappt, kannst du sie vorsichtig mit einem Finger nach außen klappen.
Asymmetrischer Anlegegriff beim Stillen
Bei einem guten Anlegegriff hat dein Baby mehr Areola unterhalb der Brustwarze im Mund als oberhalb. Dafür richtest du die Brustwarze leicht Richtung Gaumendach des Babys und führst zuerst das Kinn an die Brust.
Kinn an der Brust, Nase frei
Das Kinn soll fest in der Brust liegen. Die Nase darf nah dran sein, bleibt aber in der Regel frei enough, damit das Baby gut atmen kann. Ist die Nase tief vergraben und das Kinn weg von der Brust, ist der Saugschluss meist zu flach.
Keine Klick-Geräusche
Du möchtest ein ruhiges Muster aus Saugen-Schlucken-Atmen hören. Klicken beim Stillen deutet oft darauf hin, dass das Baby immer wieder Luft zieht, meist durch einen zu flachen Anlegegriff oder ein Zungenband-Problem.
Schmerz sollte nach wenigen Sekunden nachlassen
Ein etwas kräftiges Ziehen in den ersten Sekunden kann normal sein, vor allem am Anfang der Stillzeit. Aber anhaltende oder zunehmende Schmerzen durchgehend beim Stillen sind kein Zustand, an den du dich „gewöhnen“ musst.
Bleibt der Schmerz nach den ersten 10 Sekunden über einer 3 von 10, löse dein Baby lieber noch einmal und lege es neu an. Das wirkt mühsam, verhindert aber Tage oder Wochen mit wunden Brustwarzen.
Bitte nie einfach an deinem Baby ziehen, um es von der Brust zu nehmen. Dieser plötzliche Zug kann die empfindliche Haut zusätzlich einreißen.
So löst du den Saugschluss schonend:
Diese kleine Gewohnheit schützt deine Brustwarzen bei jedem Abnehmen.
Du brauchst keine komplizierte Pflegeroutine, ein paar einfache Schritte reichen, um wunde, trockene Brustwarzen zu vermeiden.
Bleibt Feuchtigkeit im BH, wird die Haut aufgeweicht und dadurch empfindlicher.
Nach jeder Stillmahlzeit:
Ein dünner Film abgestrichener Muttermilch auf der Brustwarze kann:
Streife am Ende der Stillmahlzeit ein paar Tropfen Milch per Hand aus, verteile sie auf Brustwarze und Warzenhof und lass alles an der Luft trocknen.
Du kannst verwenden:
Nach jeder Still- oder Pumpmahlzeit eine erbsengroße Menge auftragen. Ziel ist ein angenehmer, feucht geschützter Film, keine dicke, klebrige Schicht.
Seife entzieht der Haut ihre natürlichen Fette und trocknet sie aus.
Für die tägliche Pflege gilt:
Hast du bereits rissige Brustwarzen beim Stillen, kannst du in den meisten Fällen trotzdem weiterstillen. Deine Milch ist sicher für dein Baby, auch wenn sich mal ein Tropfen Blut dazumischt.
Das Ziel jetzt: Schmerzen reduzieren, die Haut schützen und Heilung ermöglichen, während dein Baby weiter trinken kann.
In den allermeisten Fällen ja. Weiterstillen:
Wenn du aber jede Stillmahlzeit schon Stunden vorher fürchtest, ist das ein deutliches Zeichen, dass du mehr Unterstützung brauchst - nicht, dass du gescheitert bist.
So kannst du wunde Brustwarzen beim Stillen möglichst schnell heilen – im Rahmen dessen, was Haut eben leisten kann.
Solange die Ursache bleibt, können die Risse nicht heilen. Nutze die Tipps für richtiges Anlegen und:
Schon kleine Verbesserungen im Anlegegriff reduzieren Reibung und Druck auf die verletzten Stellen.
Rissige Haut heilt schneller, wenn sie leicht feucht gehalten wird und keine harten Schorfkanten bildet.
Für eine feuchte Wundheilung:
Lass die Risse nicht stundenlang komplett austrocknen, sonst reißt die Haut beim nächsten Dehnen leichter wieder ein.
Hydrogel-Pads können sich bei brennenden, heißen Brustwarzen himmlisch kühl anfühlen.
Tipps zur Anwendung:
Sie sind kein Muss, aber viele Mütter im deutschsprachigen Raum berichten, dass sie ihnen besonders in der Anfangszeit sehr geholfen haben.
Wenn du die Stillposition wechselst, verändert sich der Druckpunkt im Mund deines Babys auf der Brustwarze.
Mögliche Varianten:
Stell dir vor, du hast eine Blase am Fuß – du würdest auch versuchen, nicht ständig an genau derselben Stelle zu scheuern.
Ist eine Brustwarze so stark verletzt, dass Stillen dort kaum auszuhalten ist, kannst du:
Das sollte eine Kurzzeit-Lösung sein, idealerweise nur für ein paar Tage, während du Unterstützung zu Anlegegriff und Positionen bekommst. Die meisten Mütter möchten das Baby langfristig wieder an beiden Seiten anlegen.
Du musst Schmerzen nicht stillschweigend aushalten.
Besprich mit deiner Hebamme, Ärztin / deinem Arzt:
Wenn du Fieber bekommst, grippeähnliche Symptome hast oder eine gerötete, überwärmte Stelle an der Brust bemerkst, lass bitte zeitnah ärztlich abklären, ob sich ein Milchstau oder eine Brustentzündung (Mastitis) entwickelt hat.
Manchmal pflegst du die Haut, verbesserst den Anlegegriff und trotzdem fühlt sich jede Stillmahlzeit an wie Feuer. Dann solltest du Brustpilz beim Stillen im Hinterkopf haben.
Wichtige Anzeichen für Brustpilz:
Beim Baby können hinzukommen:
Ein ausgeprägter Soor verschwindet nicht von allein.
Ihr braucht beide eine antimykotische Behandlung zur gleichen Zeit, häufig:
Wenn du Brustpilz vermutest, wende dich besser an deine Frauenärztin / deinen Frauenarzt, Kinderarztpraxis, Hebamme oder Stillberaterin, statt auf eigene Faust irgendwelche Cremes zu probieren. Reine Kortisoncremes können einen Pilz zum Beispiel sogar verschlimmern.
Es gibt einen Punkt, an dem Selbsthilfe allein nicht mehr reicht. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eher ein Hinweis: Du darfst dir gezielt fachliche Unterstützung holen.
Hol dir Hilfe bei einer IBCLC (International Board Certified Lactation Consultant), einer Still- und Laktationsberaterin DGP oder einer erfahrenen Stillberaterin, wenn:
Im deutschsprachigen Raum kannst du dich zum Beispiel wenden an:
Viele bieten telefonische Beratung, Online-Termine oder Hausbesuche an.
Stillen ist keine Strafe. Ein bisschen Empfindlichkeit in den ersten Tagen ist normal, weil die Brustwarzen plötzlich deutlich mehr beansprucht werden. Anhaltende, starke oder brennende Schmerzen sind dagegen ein deutliches Signal, dass etwas verändert werden darf.
Kurz zusammengefasst:
Du gibst deinem Baby mit dem Stillen etwas Wertvolles. Gleichzeitig hast du ein Recht darauf, dass es für dich erträglich und im besten Fall schön ist. Mit den richtigen Anpassungen und der passenden Unterstützung können wunde Brustwarzen heilen – und Stillen wird wieder das, was es sein soll: nah, ruhig und weitgehend schmerzfrei.